"Alle müssen mitmachen!" - Fast die Hälfte aller Belgier passt den täglichen Lebensstil den Covid-19-Umständen an

Steven Van Gucht, Virologe und Vorsitzender des wissenschaftlichen Komitees zum Coronavirus, geht davon aus, dass es auch in den kommenden Tagen und Wochen zu Sterbefällen in Belgien kommen wird. Am Mittwoch wurde bekannt, dass eine hochbetagte Frau in einem Brüsseler Krankenhaus an dem Virus gestorben war und im Laufe des Nachmittags wurden zwei weitere Todesfälle gemeldet. Van Gucht ist der Ansicht, dass jeder dabei helfen soll, die Verbreitung des Virus so klein zu halten, wie möglich.

„Wir können den Höhepunkt der Epidemie senken oder nach hinten schieben, aber alle müssen hierbei mitmachen“, so Steven Van Gucht. „Wir sind noch erst am Anfang dieser Epidemie. Auch wer nicht zu einer Risikogruppe gehört, trägt für den Rest der Gesellschaft eine Verantwortung. Die Empfehlungen der Regierung von gestern (Dienstag (Red.)) sind sehr wichtig.“ Sein Kollege, der Virologe Marc Van Ranst hatte dazu bemerkt, dass die Umsetzung dieser Empfehlungen „sehr empfehlenswert ist.“

Bart De Wever, Bürgermeister von Antwerpen und Vorsitzender der flämischen Nationaldemokraten N-VA, hält nicht viel von den Empfehlungen. Es steht nämlich den regionalen, den provinzialen und den lokalen offen, wie damit umzugehen ist. De Wever fordert einen nationalen belgischen Katastrophenplan: „Auf Basis der Empfehlungen von Experten gehe ich davon aus, dass eine sehr ernste Bedrohung für die Volksgesundheit vorliegt, die eingreifende Einschränkungen des öffentlichen Lebens erfordert.“ De Wever geht noch weiter: „Es muss ein föderaler Katastrophenplan erlassen werden, damit einheitliche Maßnahmen ergriffen werden können.“ Damit entspricht er der Ansicht von Fachleuten, dass z.B. alle Veranstaltung bis auf weiteres abgesagt werden sollten.

Inzwischen gibt rund 50 % der belgischen Bevölkerung an, den Lebensstil den Gegebenheiten rund um Covid-19 abgepasst zu haben. 28 % der Befragten gaben an, Orte mit Menschansammlungen zu meiden und 23 % verzichten derzeit auf Reisen. Und 90 % der Bevölkerung folgen genau oder zumindest ansatzweise den Hygieneempfehlungen der Gesundheitsbehörden, wie z.B. Hände waschen, Mund und Nase bei Husten und Nießen verdecken, und sich gegenseitig nicht mehr die Hand schütteln.

Am Mittwoch sprudelten bei den belgischen Medien Meldungen von abgesagten Veranstaltungen aller Art ein: Sportevents aller Art, Konzerte, Messen, Konferenzen, folkloristische Umzüge zu Mitfasten und vieles mehr. Manche Organisatoren beschränken sich aber darauf, die Zahl der Besucher von Großveranstaltungen auf unter 1.000 zu beschränken. Nicht wenige Sportveranstaltungen finden statt, aber ohne Publikum. Viele Hochschulen und Universitäten in Belgien passen ihre Unterrichtspläne an und setzen auf Online-Kurse und -Seminare. Inzwischen sind auch so gut wie alle Schulreisen abgesagt.