Coronavirus: Drei Todesfälle und 47 neue Infizierte in Belgien

In Belgien wird der erste Todesfall in Folge des Coronavirus Covid-19 gemeldet. Nach Angaben von Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) und ihrem regionalen Brüsseler Amtskollegen Alain Marron (Ecolo) handelt es sich dabei um eine 91 Jahre alte Person aus Brüssel, die bereits eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich habe. Später wurden zwei weitere Sterbefälle gemeldet. Zudem wurden am späten Mittwochvormittag offiziell 47 neue Covid-19-Patienten gemeldet. Damit steht der Zähler in Belgien auf 314 Infizierte.

Die erste Patientin verstarb im Iris-Zuid-Krankenhaus „Molière“ in Brüssel trotz intensiver Behandlung, wie die Regierung mitteilte. Gesundheitsministerin De Block sagte zu diesem Todesfall: „Trotz der Qualität der Pflege und des behandelnden Pflegepersonals ist eine 91 Jahre alte Patientin verstorben. Im Namen der Bundesregierung spreche ich den Angehörigen mein aufrechtes Beileid aus und wünsche ihnen viel Mut in diesem schwierigen Moment. Ich bedanke mich auch beim gesamten medizinischen Personal für dessen Professionalität und Verfügbarkeit.“

Auch Brüssels Gesundheitsminister Marron lobte die beteiligten Mediziner und Pfleger: „Diese Leute sind seit dem Ausbrechen des Coronavirus ununterbrochen mit großer Professionalität und großem Willen bei ihrer Arbeit." Beim belgischen Gesundheitsministerium geht man davon aus, dass es in den kommenden Tagen und Wochen bei Patienten über 80 Jahren, deren Gesundeitszustand schon länger nicht gut ist, zu weiteren Sterbefällen kommen wird. 

Am Mittwochnachmittag wurden zwei weitere Todesfälle durch Covid-19 in unserem Land gemeldet. Dabei handelt es sich um einen 86 Jahre alten und einen 73 Jahre alten Patienten, die beide ebenfalls in Brüsseler Kliniken verstarben. Einer der beiden starb im Sint-Elisabeth-Krankenhaus in Brüssel und der andere in einem Seniorenheim in Sint-Genesius-Rode, wo er unter Quarantäne stand. Beide sollen auch Brüsseler Einwohner sein. 

Inzwischen häufen sich in den Ländern und Regionen in Belgien die Maßnahmen. So werden nicht als wichtig angesehene Besuche in Pflege- oder Altenheimen verboten, besonders Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollen dort vorerst nicht mehr hingehen - dies zum Schutz von gefährdeten älteren Mitmenschen (siehe oben). Und allerorts werden Land ab, Land auf, Veranstaltungen abgesagt oder auf 950 Besucher reduziert, wenn diese in geschlossenen Räumen stattfinden sollen.  Die Große Moschee von Brüssel bleibt in dieser Woche sogar beim islamischen Freitagsgebet geschlossen.  

Telefonische Krankschreibungen möglich

Hausärzte in Belgien dürfen ab sofort Krankschreibungen nach telefonischer Diagnose ausstellen. Dies bestätigte hiesige Ärztebund. Damit kann vermieden werden, dass infizierte Patienten in Wartesälen auftauchen oder sich in der Öffentlichkeit bewegen müssen und dass zu viele allgemein erkrankte Personen Arztpraxen überlaufen. Doch der Ärztebund knüpft dies an Bedingungen.

Eine davon, wohl die wichtigste, ist die, dass ein Arzt den Patienten und dessen Krankengeschichte kennen muss. Es kann also nicht sein, dass irgendjemand irgendeinen Arzt anruft und nach telefonischer Diagnose einen Krankenschein bekommt. Die Mediziner sind dazu verpflichtet, zwischen dem Allgemeinwohl und den Risiken für ihre Patienten abzuwägen.

Inzwischen macht die Uniklinik in Löwen Betten für neue Covid-19-Patienten frei und das Krisenzentrum des belgischen Innenministeriums denkt darüber nach, ein Krisenhospital einzurichten, falls das Virus auch hierzulande stärker ausbreitet, wie dies in anderen europäischen Ländern bereits der Fall ist. Der Löwener Virologe Marc Van Ranst, den wir bei der VRT gerne als Fachmann zitieren, sagte hier am Dienstagabend, dass er die Umsetzung der Maßnahmen, die die belgische Bundesregierung erlassen hat, „dringend empfiehlt“. Dazu gehört z.B. der Rat an die Kommunen, Provinzen, Länder und Regionen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern in geschlossenen Räumen abzusagen.

Kreuzfahrtschiff durfte zunächst nicht in Zeebrügge anlegen

Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein Kreuzfahrtschiff derzeit nicht im Hafen von Zeebrügge anlegen darf. An Bord befinden sich vier Passagiere in Quarantäne, die möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert sind. Dies gab Westflanderns Provinzgouverneur Carl Decaluwé (CD&V) am Montagmorgen bekannt. Diese Passagiere seien mit einem infizierten Deutschen in Kontakt gekommen. Der Bordarzt musste erwägen, ob es sicher ist, die Passagiere hier an Land gehen zu lassen. Doch im Laufe des Tages durften die Passagiere von Bord und wurden mit Bussen weggebracht. Die Ausfahrten nach Brügge und Gent allerdings wurden nicht zugelassen. Das Kreuzfahrtschiff kam aus Southampton und fährt danach nach Rotterdam weiter.

Betroffene Bereiche

Wegen der Coronavirus-Epidemie werden viele Geschäftsreisen abgesagt. Hintergrund ist, dass viele Handelsmessen und Veranstaltungen weltweit abgesagt sind. Unternehmen führen Geschäftsreisen derzeit nur dann durch, wenn sie dringend nötig sind. Zudem werden gerade kaum neue Geschäftsreisen gebucht. Belgische Agenturen, die auf Geschäftsreisen spezialisiert sind, klagen über Umsatzeinbrüche von bis zu 60 %, gerade auch seit Ende Februar.

Derweil beeilen sich die Reisebusgesellschaften damit, belgische Reisegruppen aus Italien zurückzuholen, denn dort befinden sich noch zahlreiche Landleute. So gut wie alle Schulreisen und Schneeklassen von Schulen aus Belgien sind abgesagt. Das betrifft nicht nur Reisen nach Italien, sondern auch Griechenland und Teile Frankreichs. Das flämische Transportunternehmen H.Essers lässt zum Schutz der eigenen LKW-Fahrer keine Lastwagen mehr nach Italien fahren. Das bedeutet, dass Lieferungen und Ladungen, die mit diesem Unternehmen befördert werden sollen, entweder später erst transportiert werden oder an einen anderen Transporteur gehen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie sehr auch die globalisierte Wirtschaft betroffen ist. Von Anfang an hatte auch die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines Probleme durch Covid-19. Am Mittwoch teilte die Lufthansa-Tochter mit, dass alle Italien-Flüge in den kommenden drei Wochen gestrichen seien.

Inzwischen stellt die Belgische Nationalbank (BNB) eine Verlangsamung der Konjunktur fest. Im ersten Quartal 2020 soll das Wirtschaftswachstum auf 0,2 % sinken, gegenüber den bisher erwarteten 0,4 %, wie eine erste frühe Einschätzung der BNB ergeben hat. Noch sei die Auswirkung des Coronavirus auf die belgische Wirtschaft nicht genau zu beziffern, hieß es weiter dazu. Es könnte sogar sein, dass Hamsterkäufe und stark steigende Ausgaben auf Gesundheitsebene für ein Abfedern von negativen Auswirkungen sorgen kann, auch wenn dies nur kurzfristige Konjunkturkorrekturen sein können.

Unternehmen können von der Coronakrise auch profitieren

Unterdessen verdreifachte der Seifenhersteller Christeyns aus Gent die Produktion von Desinfektionsseife von normalerweise 1.000 Tonnen auf 3.000 Tonnen pro Tag, um der Nachfrage Herr zu werden. Das Unternehmen stellt diese Seife am französischen Standort Vertou her. Dazu wird in Schichten rund um die Uhr gearbeitet. Die Preise will Christeyns aber nicht erhöhen. Ein Problem könnte allerdings negative Auswirkungen haben. Die französischen Behörden denken über ein Exportverbot gerade für solche Erzeugnisse nach…

Gute Geschäfte machen auch derzeit zwei weitere flämische Unternehmen. Das Unternehmen Sofidel schiebt Sonderschichten bei der Produktion von WC-Papier und Avalia kann einer steigenden internationalen Nachfrage bei digitalen Fiebermessern kaum noch entsprechen. Und Volvo Cars in Gent lässt wieder die ersten Ferngüterzüge mit Neuwagen und Komponenten aus China rollen. 

Reise wegen Corona abgesagt? Rücktrittsversicherung zahlt nicht

Belgische Urlauber, die ihre Reisepläne wegen Covid-19 annullieren, können nicht auf ihre Reiserücktrittsversicherung zählen. Das belgische Außenministerium rät bis vorerst zum 3. April z.B. von Reisen nach Italien oder nach Griechenland ab. Wenn man aber eine solche Reise in diesem Zeitraum geplant hat, greift die Reiserücktrittsversicherung nicht.

Das Coronavirus sei eine Epidemie und Epidemien werden von den meisten Reiserücktrittsversicherungen nicht gedeckt, so Assuralia, derr Dachverband der belgischen Versicherungen. Epidemien oder Pandemien seien Situationen, die nicht vorhersehbar seien, so Assuralia. Deshalb sind sie bei  Versicherungen wirtschaftlich nicht zu vertreten.

Eine solche Versicherung greift in dieser Situation nur, wenn der Reisende bzw. Versicherungsnehmer selbst erkrankt, durch das Virus seinen Arbeitsplatz verliert oder falls ein naher Verwandter an Covid-19 stirbt. Sogar Schulen, die Reisen in Länder, die unter der Reisewarnung des belgischen Außenamtes fallen, stornieren, können ihre Reiserücktrittsversicherung nicht nutzen. Dann tragen die Eltern oder bestenfalls die Schulen die entstehenden Kosten.