Regen und nochmal Regen: Endlich steigen die Grundwasserspiegel in Flandern

Der vergangene Monat Februar war besonders feucht, dass konnte wohl auch im belgischen Bundesland Flandern spüren. Und das Königliche Wetteramt KMI in Ukkel bei Brüssel bestätigte dies mit der Feststellung, dass dort im Januar und Februar zunächst 107,7 mm Niederschlag innerhalb von nur 22 Tagen gemessen wurden. Und der Monat März begann so, wie der Monat Februar endete und zwar mit Regen und nochmal Regen. Wer jetzt glaubt, dass sich das Grundwasser jetzt endlich erholen konnte, der hat recht, denn das KMI wartet mit neuen Werten auf - mit Langzeitwerten. 

Die drei aufeinander folgenden Sommer 2017, 2018 und 2019 haben den Boden z.B. hier in Flandern völlig ausgetrocknet. Und dieser Boden hat noch Durst, denn Messungen der Flämischen Umweltgesellschaft (VMM) haben ergeben, dass sich am Grundwasserspiegel seit November 2019 zunächst nur wenig geändert hat. Zwar steige dieser Spiegel wie normal zu dieser Jahreszeit, doch der Rückstand wurde bis etwa Anfang Februar damit leider nicht wettgemacht. Das hatte seinen Grund.

Auf vielen Feldern steht Wasser, doch dieses Wasser braucht Zeit, um in den Boden einsickern zu können. Doch durch die vielen kurzen aber heftigen Regengüsse floss vieles dieser Niederschläge in Flüsse, Bäche, Abwasserkanäle oder Auffangbecken, Seen und Teiche. Dieses Wasser war für die Gesundung des Bodens und für den Grundwasserspiegel quasi verloren, so Patrick Willems, Professor für Wasserbaukunde an der Katholischen Universität Löwen (KULeuven) gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen in dieser Woche: „Es muss nicht stark regnen, sondern wir brauchen anhaltenden Nieselregen.“

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Dauerregen

Im Laufe des Februars aber gab es Dauergegen und zwar tagelang. Jetzt steigt auch der Grundwasserspiegel in weiten Teilen Flanderns. Probleme bieten derzeit wohl nur noch Regionen in Flämisch-Brabant und im Süden Limburgs, so die VMM. Für Probleme sorgt auch der stark lehmhaltige Boden im Süden von Ostflandern, denn da braucht das Regenwasser viel mehr Zeit, um durchzusickern.

Mittlerweile aber wartet das KMI mit brandaktuellen Zahlen auf. Am Standort Ukkel wurde eine Gesamt-Niederschlagsmenge in den Monaten Dezember, Januar und Februar von inzwischen 230,3 mm gemessen. Normal wären in etwa 220,5 mm. Und inzwischen regnet es weiter. Jetzt droht neues Ungemach, nämlich steigende Pegel bei Teichen, Seen, Wasserwegen…. Und entsprechende Überschwemmungen.

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Die Lage entspannt sich, aber nur vorläufig

Für Flandern wird die Lage in Zukunft aber nicht einfacher, so der KUL-Wasserbaukundler: „Wenn man weiß, dass 15 % der Oberfläche Flanderns verhärtet (also bebaut (A.d.R.)) ist, wodurch Regenwasser direkt zur See abläuft, dann weiß man, dass es schwierig wird.“ Er empfiehlt deshalb den Behörden in Flandern, die Bremse für eine weitere Verhärtung des Bodens zu ziehen.“

Willems rät dazu, Sickerflächen sowohl im ländlichen, als auch um städtischen Raum vorzusehen: „Das sind unverhärtete Zonen, in die man Regenwasser, das man sonst verlieren würde, leitet und wo dieses ruhig in den Boden ziehen kann. Damit entlastet man auch die Abwassersysteme, schafft man grüne Zonen in der Stadt und lässt Grünpflanzen hoch wachsen. Das sorgt im Sommer dann wieder für ausreichend Schatten.“

Aber, dies ist nur eine Empfehlung, die nicht alles lösen kann. Auch die Industrie und die Landwirtschaft müssen ihren Teil dazu beitragen und Politik und Behörden sowieso, so Prof. Willems. 

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