Laurie Dieffembacq

Coronavirus: Besuchsverbot in Pflege- und Seniorenheimen, Börse verliert 14 % (!) und die Wirtschaft spürt die Folgen 

Der Bel-20, der Aktienkurs der 20 wichtigsten Aktien in Belgien, die an der Brüsseler Euronextbörse gehandelt werden, hatte zum Handelsbeginn am Donnerstagmorgen schon 7 % verloren und sackte damit unter die 3.000 Punkte Marke. Zum Handelsschluss stand der Bel-20 bei -14 %. Das war der größte Verlust an der Börse in Brüssel aller Zeiten… Auch andere Börsen in Europa verlieren ähnlich hohe Prozentpunkte. Inzwischen verbieten die Gesundheitsbehörden überall in Belgien Besuche in Senioren- und Pflegeheimen und die Wirtschaft spürt die ersten deutlichen Auswirkungen.

Tatsache ist, dass die älteren Generationen unter uns am meisten in Sachen Coronavirus gefährdet sind. Die drei Personen, die bisher in Belgien daran gestorben sind, waren hochbetagte Senioren, die zudem eine längere Krankheitsgeschichte vorwiesen. Aus diesem Grund wollen die belgischen Gesundheitsbehörden gerade die alten Menschen vor dem Virus besonders schützen und untersagten überall im Land Besuche in Senioren- und Pflegeheimen, wenn diese nicht essentiell wichtig sind.

Zudem wird selbst von „einfachen“ Besuchen von Angehörigen in Krankenhäusern abgeraten, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden und um diesen Einrichtungen den Raum zu bieten, sich auf Schlimmeres vorzubereiten. Sie sind von den staatlichen Behörden dazu aufgerufen worden, sich darauf einzurichten, selbst infizierte Patienten aufzunehmen und zu behandeln. Zurzeit befinden sich 20 bis 25 Coronavirus-Patienten in  Krankenhäusern in Belgien, darunter einige in kritischem Zustand.

Bitte weiter Blutspenden

In Belgien wird am Freitag eine Lieferung von zehn Millionen Mundschutzmasken erwartet. Diese sind für das Ärzte und Pflegepersonal in unserem Land bestimmt und gelangen nicht in den freien Verkauf.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch Einfluss auf die Blutspenden in Belgien. Die Zahl der Spender geht dramatisch zurück und die Reserven an Blutkonserven gehen auf ein bedenkliches Maß zurück. Das Rote Kreuz appelliert an die Bevölkerung, bitte weiter Blut zu spenden, denn dies ist Lebensrettend und ist auch in Covid-19-Krisenzeiten ungefährlich. Es liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass sich das Coronavirus über das Blut überträgt, so das Rote Kreuz. 

Reise- und Flugsektor

Das Einreiseverbot für Europäer aus der Schengenzone (darunter auch aus Belgien), dass die US-Behörden zum Schutz gegen Covid-19 erlassen haben, trifft den hiesigen Reise- und Flugsektor, der ohnehin schon arg gebeutelt ist, tief ins Mark. Schon jetzt sind quasi 20 % aller vom Brussels Airport ausgehenden Flüge gestrichen und am Freitag fallen alle Flüge von und nach Nordamerika aus.

Pierre Fivet von der Belgian Association of Travel Organisers (ABTO) rät Reisenden, die Flüge in die USA und auch nach Spanien gebucht haben, sich mit ihren Reiseveranstaltern in Verbindung zu setzen. In Vietnam sind dutzende Touristen unter Quarantäne gestellt worden, darunter auch zahlreiche Belgier. Viele davon befinden sich in Hotels oder anderen Gebäuden im Badeort Hoï An.

Brussels Airlines kündigte am späten Donnerstagnachmittag an, drastische Einschnitte im Flugverkehr durchführen zu müssen. Die 100 %-ige Lufthansatochter wird ihr Angebot im laufenden Monat März um 35 % schrumpfen lassen und im April um 45 %. Infolge der Covid-19-Krise und dem US-Einreiseverbot aus den europäischen Schengenländern, zu denen auch Belgien gehört, sinken die Ticketverkäufe dramatisch schnell.

Aus diesen Grunde beantragt Brussels Airlines die Möglichkeit der Kurzarbeit, in Belgien technische Arbeitslosigkeit genannt. Dies soll alle 4.000 Mitarbeiter betreffen, die jeweils ihre Arbeitszeiten um 20 bis 25 % gekürzt sehen werden. Der Rest soll eben durch das Kurzarbeitssystem aufgefangen werden. Reisende, die bei BA Flüge gebucht haben, die auf der Streichliste stehen, werden von der Airline via Email direkt kontaktiert. 

Viele Absagen in der Kulturwelt

Fast alle großen und kleinen Kultureinrichtungen in Flandern und Brüssel sagen alle geplanten Veranstaltungen bis Ende März oder Anfang April ab. Das betrifft fast alles: Ballett und Tanz, Konzerte aller Stilrichtungen, Musicals und andere große Produktionen. Sogar Ausstellungen und Museen schließen zeitweise. Wo möglich, werden Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. 

Sport in Zeiten von Covid-19…

Der letzte Spieltag der regulären Spielzeit in der ersten belgischen Fußball-Liga findet hinter geschlossenen Türen statt. Das bedeutet, dass der 30. und entscheidende Spieltag vor den Play Offs ein gigantisches Geisterspiel werden wird. Zudem sind im belgischen Fußball für die nächste Zeit alle Spiele in den Bereichen Jugend- und Amateurliegen abgesagt oder verschoben worden. Verschoben wurde auch das belgische Pokalfinale. Ein neues Datum für die am 22. März vorgesehene Begegnung zwischen Club Brügge und Antwerp FC muss noch gefunden werden.

Das Trainingslager der Roten Teufel Ende März in Katar ist ebenfalls abgesagt worden. Eigentlich sollte die belgische Nationalmannschaft dort auf die Schweiz und auf Portugal treffen, um sich bei diesen Freundschaftsspielen auf die nächsten Herausforderungen vorzubereiten, z.B. auf die weitere EM-Qualifikation.

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