Katastrophenplan Coronavirus: Was schreiben die Zeitungen dazu?

Die Redaktionen der flämischen Tageszeitungen haben in der Nacht zum Freitag wohl ihre kompletten Ausgaben anpassen müssen, denn die belgische Bundesregierung hatte erst am späten Donnerstagabend ihre Pressekonferenz zu ihrem drastischen Maßnahmenpaket in Sachen Coronavirus abgehalten.

„Historisch: Belgien schließt Schulen, Bars und Restaurants“ titelt die flämische Tageszeitung De Standaard und die Kollegen von De Morgen sehen „Ein Land im Stillstand“. Het Nieuwsblad ist der Ansicht, dass der Regierung nichts anderes übrig blieb, als mit einem staatlichen Katastrophenplan zu reagieren, weil es zu einem Wildwuchs an unkoordinierten Schritten kam: „Mansche Schulen schließen, andere bleiben geöffnet. Veranstaltungen sollten hier stattfinden und dort nicht. Bürgermeister überboten sich mit eigenen strengen Maßnahmen, andere ließen die Zügel locker. Es war an der Zeit, dem ein Ende zu bereiten, denn mit einem Chaos wird nichts besser.“ Nur das Virus profitiere davon, so das Blatt.

De Morgen ist der Ansicht, dass ein solcher Plan notwendig war: „Was das Land braucht, ist Ruhe und vor allem eine klare Linie, an die sich jeder zu halten hat. Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, unser Gesundheitssystem nicht implodieren zu lassen.“ De Morgen erinnert daran, dass wenn zu viele Kranke gleichzeitig in die Krankenhäuser eingeliefert werden müssen, diese ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können: „Dann können Kranke nicht mehr versorgt werden und kann die Zahl der Sterbefälle in die Höhe schießen.“

„Better safe than sorry“, schreibt De Standaard und ist einverstanden damit, dass strenge Maßnahmen gerechtfertigt sind und dass das Vorsorgeprinzip an vorderster Stelle stehen muss, auch wenn dies enorme Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft haben wird: „Eine der wichtigsten Lektionen, die uns die Coronakrise lehrt, ist die, dass energische und zielgerichtete Maßnahmen umzusetzen, nicht unbedingt schwierig ist, auch wenn sie enorme Folgen haben.“ Schließlich, so De Standaard, stehe Leben auf dem Spiel.

Het Belang van Limburg zeigt auf, dass uns diese Krise klar macht, was auf dem Spiel steht und was dringend gebraucht wird: „Eine Staatsstruktur mit einem Mandat für das ganze Land.“ Diese Krise hat einen Vorteil, so das limburgische Regionalblatt: „Sie legt Fehler im System offen. (…) Jeder versteht jetzt, was für ein chaotisches Land Belgien ist. Deshalb wissen wir jetzt auch, worum es bei der nächsten Staatsreform gehen muss: Um Vereinfachung und um Effizienz und nicht um noch mehr Aufsplitterungen.“

Das Wirtschaftsblatt De Tijd titelt: „Coronavirus legt das Leben lahm“ und bei Het Laatste Nieuws lautet die Schlagzeile: „Belgien liegt flach“. Gazet Van Antwerpen stellt fest, dass wir am Freitagmorgen mit drastischen Maßnahmen wach geworden sind, hat aber offenbar ganz andere Sorgen: „Ist jetzt auch die Flandernrundfahrt in Gefahr?“