"Lock Down Parties" am Freitagabend vor der Kneipenschließung "kontraproduktiv und beschämend"

Seit Mitternacht gilt aufgrund des Notfallplans der Bundesregierung und des Krisenzentrums zum Coronavirus die Anordnung, dass alle Gastronomiebetriebe in Belgien bis zum 3. April geschlossen bleiben sollen - vorläufig. Doch in vielen Bars und Kneipen standen die Menschen am Freitagabend dicht gedrängt und „machten die Fässer leer.“ Völlig unverantwortlich nennen dies Fachleute heute und nicht wenige Politiker zeigten sich schockiert und angewidert.

Lungenarzt Ingel Demedts vom AZ Delta-Klinikum in Roeselare ist der Ansicht, dass noch immer viele Menschen im Land nicht begreifen, wie ernst die Lage durch Covid-19 ist. Der Mediziner twitterte angesichts der „Lock Down-Parties“ am Freitagabend: „Nur mit einer solidarischen Haltung können die diese Lage ändern. Die Spielzeit ist echt vorbei. Die kommenden Wochen werden keine Ferien sein.“

Er nannte diese Kneipenparties unbegreiflich und beschämend und warnte die Jugend vor weiterer Unvorsichtigkeit:  „Auch gegenüber unseren Jugendlichen müssen wir sagen, dass dies keine einfachen Ferien sind und dass es keine gute Idee ist, mit der ganzen Klasse zusammen bei einem im Zimmer zu sitzen, um zu feiern oder sich zu treffen, um gemeinsam Sport zu betreiben.“

Viele Mediziner gehen davon aus, dass diese Feiern am Freitagabend kontraproduktiv waren und dass sich dabei mit Sicherheit Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben, auch der Lungenarzt Demedts: „Wenn sich das Virus weiter verbreitet, dann fallen möglicherweise auch Ärzte und Pflegemitarbeiter aus und es bleiben zu wenige Hände, um alle Patienten zu behandeln, also auch jene, die an anderen Krankheiten leiden. Das ist kein Doomszenario. Wir müssen hiermit rechnen. Die Situation in Italien zeigt, was in einer solchen Lage passieren kann.“ Die kommenden Stunden, Tage und Wochen, so Demedts, seien entscheidend…

Ihm pflichteten schon am Freitagabend und erst recht am Samstag viele Mediziner, Virologen und auch Politiker in den Medien bei. Unter anderem Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V) zeigte sich schockiert und konnte für diese Partie, die er „geschmacklos“ nannte, überhaupt kein Verständnis aufbringen. Flanderns Landeschef Jan Jambon (N-VA) ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach von "asozialem Verhalten".