Andreas Kockartz/VRT

Brüsseler Gemeinde will heruntergekommenes modernistisches Gebäude schützen lassen

Die Gemeinde Sint-Joost-ten-Noode hat bei der Region Brüssel-Hauptstadt einen Antrag für Denkmalschutz für das „Miramar“-Gebäude gestellt. Dieses modernistische Gebäude aus den 1950er Jahren ist heute recht heruntergekommen und beherbergt zahlreiche Sozialwohnungen. Um das Gebäude zu renovieren, braucht die Gemeinde Geld und dieses soll teilweise über den Denkmalschutz fließen.

Irgendwo zwischen den düsteren Gässchen, riesigen Baustellen und dem Brüsseler Nordbahnhof liegt der etwas schummrige Sint-Lazarus-Plein. Und dort steht unübersehbar das „Miramar“-Gebäude mit seinen modernistischen blauweißen Fensterumrandungen und seinen V-förmigen Säulen, die den Vorsprung der Fassade über dem Parterre-Bereich abstützen. Der Entwurf stammt von dem Architekten Claude Laurens und wurde in den Jahren 1956 und 1957 umgesetzt. Früher war dieses Gebäude ein Hotel und in der Ecke Sint-Lazaruslaan/Rivierstraat war sogar eine Tankstelle untergebracht.

Doch nur ein kurzer Blick reicht, um festzustellen, dass in diesem ursprünglichen architektonischen Schmuckstück aus den 1950er Jahren eher traurige Zustände herrschen. Kaum ein Fenster er insgesamt 68 Sozialwohnungen ist geputzt und die Gardienen sind eher grau als weiß. Und der Krach von den vorbeifahrenden Zügen, von den Autos auf der engen Kreuzung des Sint-Lazarus-Pleins und von den Baustellen für riesige und glänzende Buildings lässt kein angenehmes Wohnen vermuten. Und nicht immer funktioniert die Heizung und fließendes Wasser ist auch ab und an nicht aus dem Hahn zu bekommen…

Die Nähe des Rotlichtviertels der Aarschotstraat hinter dem Nordbahnhof (das zum Stadtteil Schaarbeek gehört) und in den schummrigen Gässchen oberhalb der Brabantstraat (die zum Stadtteil Sint-Joost-ten-Noode gehören) sorgt auch nicht gerade für angenehme Stimmung, vor allem Nachts nicht.

Eine der letzten Ikonen der modernistischen Architektur aus der Nachkriegszeit in Brüssel

Und doch ist dieses Gebäude wichtig. Zum einen, weil es eines der letzten modernistischen Gebäude aus den 1950er Jahren in Brüssel ist und zum anderen, weil auch hier bezahlbarer Wohnraum langsam Mangelware wird. Gerade deshalb will die Gemeinde Sint-Joost dieses „Miramar“-Gebäude erhalten. Doch, wie die Bilder, die diesen Artikel illustrieren vermuten lassen, muss hier Hand angelegt werden. Das kostet Geld und Sint-Joost-ten-Noode ist eine der ärmsten Gemeinden in ganz Belgien. Hier könnte der Denkmalschutz der Region Brüssel-Hautstadt helfen, wie man sich in der Gemeinde erhofft.

Murielle Deleu, die Sprecherin von Emir Kir (früher PS, heute parteilos), sagte dazu gegenüber der niederländischsprachigen Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ, dass Geld von der Region notwendig ist: „Ein Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, lässt mehr Restaurierung und Unterhalt zu. Das Gebäude ist zwar nicht vom Abriss bedroht, doch Ziel ist, dass es den Zahn der Zeit überstehen kann.“

Die Idee, das „Miramar“-Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen, passt zum Vorhaben, dem gesamten Areal um den Sint-Lazarus-Plein hinter dem Nordbahnhof im Zuge der zahlreichen neuen Bürogebäude, die dort entstehen, zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Fußgängerwege sollen erneuert und verbreitert werden, der Platz soll Bäume bekommen und es sollen dort weniger Autos durchfahren dürfen.

Das „Miramar“ gehört bereits seit einigen Jahren zum Inventar für architektonisches Kulturerbe der Region Brüssel-Hauptstadt, doch eine formale Anerkennung als denkmalgeschütztes Gebäude würde helfen, es vernünftig angehen zu können. Eigner ist die Wohnungsbaugesellschaft der Gemeinde Sint-Joost-ten-Noode, A.I.S.

Andreas Kockartz/VRT

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