Coronavirus: Belgiens Notärzte schlagen Alarm

Seit Mitternacht gelten in ganz Belgien verschärfte Maßnahmen gegen eine weitere Verbreitung des Coronavirus Covid-19. Schon seit Freitagmorgen, seit der Ankündigung dieses staatlichen Notfallplans, werden die Notdienste in den Kliniken und Krankenhäusern von besorgten Patienten überrollt, die sich testen lassen wollen. Dies, so der Vorsitzende des Notärzteverbandes, geschehe auch mit verbaler und körperlicher Gewalt.

Die Personale in den Krankenhäusern und Kliniken in Belgien werden in diesen Tagen geprüft, wie wohl nie zuvor. Sie müssen ihrer täglichen Arbeit nachgehen und zusätzlich noch mit den Herausforderungen von Covid-19 fertig werden. Dafür sollte die Gesellschaft ihnen, dem gesamten Pflegepersonal und den Ärzten eigentlich größten Respekt zollen, doch Jan Stroobants, der Vorsitzende des belgischen Notärzteverbandes und Leiter der Notfallabteilung im Krankenhaus von Middelheim (ZNA), stellt fest, dass dies nicht überall der Fall ist. Im Gegenteil. Wie auch andere Mediziner mitteilen, fordern besorgte Bürger Coovid-19-Test in der Notaufnahme inzwischen auch mit herber verbaler Gewalt ein und leider auch bereits mit körperlicher Gewalt.

Doch auch alle anderen Aufgaben, die mit dem Coronavirus in Verbindung stehen, bringen das Gesundheitswesen vor Ort an den Rand des Möglichen, so Stroobants gegenüber VRT NWS: „Die Labore können nicht folgen. Wie wir dies in den kommenden Wochen schaffen sollen, kann ich nicht erkennen. Jeder Patient, der sich in der Notaufnahme mit Atmungsproblemen meldet, muss getestet werden und danach isoliert auf sein Resultat warten. Das kann allerdings bis zu 18 Stunden dauern. Bis dann wird der Patient wie ein positiver Fall behandelt. Erst wenn der Test negativ ist, können wir Patienten wieder gemeinsam in einem Raum unterbringen. Dieses ‚Fegefeuer‘ dauert viel zu lange.“ In seiner Klinik sei man derzeit damit beschäftigt, die verschiedenen Abteilungen untereinander zu ergänzen, so der Notarzt.

Inzwischen schieben die Krankenhäuser nicht dringende Behandlungen, Untersuchungen, Konsultationen und medizinische Eingriffe auf, wozu sie von Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) auch angehalten sind. Und in fast allen belgischen Krankenhäuser sind Patientenbesuche mittlerweile verboten oder werden nur in dringenden Fällen ermöglicht, um kranke und geschwächte Menschen vor einer Corona-Ansteckung zu schützen. Damit könnte vielleicht auch ein anderes Problem zumindest für einen Teil der Kliniken gelöst werden: Diebstahl! Immer wieder werden aus den Kliniken und den Notaufnahmen Mundschutzmasken oder Desinfektionsmittel gestohlen, Dinge, die für den Schutz des behandelnden Personals in den Krankenhäuser essentiell lebenswichtig sind!