Die Krankenhäuser bereiten sich auf die Aufnahme von mehr Coronapatienten vor - Droht Belgien ein logistisches Problem?

Inzwischen bereiten sich die Krankenhäuser auf die Aufnahme einer steigenden Zahl an Patienten vor, die sich mit dem Coronavirus Covid-19 angesteckt haben. In einigen Kliniken werden an diesem Wochenende Abteilungen umgebaut, um den Anforderungen entsprechen zu können. Ungemach droht durch einer Lieferung von vom Gesundheitsministerium bestellten Mundschutzmasken, die noch immer nicht in Belgien angekommen ist.

Der Virologe Marc Van Ranst und Inge Vervotte vom flämischen Pflegenetzwerk „Emmaüs vzw.“ bemerkten am Sonntagmittag in der VRT-Sendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“), es sei nicht sicher, dass eine Sonderbestellung an Mundschutzmasken Belgien überhaupt erreichen wird. Hier müsse schnell Klarheit herrschen, so Vervotte, denn dieses Material sei für Hausärzte und für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vorgesehen und werde dort dringend gebraucht. Einen Vorrat oder eine Reserve, so Van Ranst, gebe es nicht.

Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) sagte dazu bei RTL am Mittag, dass man sich in einer sehr schwierigen internationalen Lage befinde: „Man hat uns versprochen, dass diese Masken bis Mitternacht geliefert werden. Wir warten noch immer, sind aber inzwischen auf anderen Wegen dabei, Lösungen für alle zu finden.“ Bei der Lieferung handelt es sich um eine staatliche Bestellung in Höhe von 5 Mio. Euro. Im Rahmen der VRT-TV-Nachrichten am Sonntagabend gab die Ministerin an, die Chancen, dass diese Masken noch in Belgien angkommen würden, sei minimal. Offenbar handelt es sich bei der Angelegenheit um einen Betrugsversuch eines Herstellers in der Türkei.  

Geert Meyfroidt, Professor für Intensivmedizin an der Universität Löwen (KULeuven) geht davon aus, dass sich die Coronapandemie weniger zu einem medizinischen, als vielmehr zu einem medizinisch-logistischen Problem entwickeln wird: "Wenn uns diese Krise so überfällt, wie Italien, dann kann es passieren, dass wir unser Kapazitätslimit erreichen.". Bisher hätten wir Glück gehabt und wir hätten von Italien enorm viel gelernt, so Meyfroidt: "Am Anfang dachten wir, dass wir mit einem schwierigen medizinischen Problem zu tun haben. Durch die Italiener sind wir uns aber darüber klargeworden, dass dies ein großes logistisches Problem ist, nämlich die Aufnahme einer gigantischen Zahl an Patienten mit einer viralen Lungenentzünding, die wir gleichzeitig in unseren Krankenhäuserbehandeln müssen."

Schon in der kommenden Woche würde es in Belgien wesentlich mehr Patienten geben, als bisher, denn die Zahl der Infizierten nehme rasch zu und dann stelle sich die Frage nach der nötigen Zahl an Betten und Beatmungsgeräten... 

Das Gesundheitswesen im belgischen Bundesland Flandern kann inzwischen auf fast 200 Personen zurückgreifen, die zur sogenannten „medizinischen Reserve“ gehören, sprich auf Personen, die eine entsprechende Ausbildung haben, aber z.B. in anderen Berufen arbeiten. Diese Personen haben sich allesamt selbst bei den Gesundheitsbehörden gemeldet, um das vorhandene Personal zu unterstützen.