Nicolas Maeterlinck

Die Covid-19-Vorschriften für Belgien: "Jeder soll möglichst zu Hause bleiben!"

Der Nationale Sicherheitsrat in Belgien hat seit 12 Uhr an diesem Mittwoch seine Maßnahmen gegen das Coronavirus drastisch verschärft. Belgien folgt dabei in etwa dem Beispiel Italiens, Spaniens und Frankreichs. Doch um einen echten „Lockdown“ handelt es sich hierbei nicht, denn vieles bleibt möglich. Diese Maßnahmen gelten bis auf weiteres bis zum 5. April.

1Die wichtigste Maßnahmen, die der Sicherheitsrat und die Regierung am Dienstagabend erlassen haben heißt: „Bleiben sie so viel wie möglich zu Hause und vermeiden sie so viele Kontakte wie möglich.“ Zudem sollten weiter alle bisher geltenden Hygieneregelungen eingehalten werden. Die Maßnahmen in Belgien im Einzelnen:

Bewegungsfreiheit

-      Jeder, der muss, darf arbeiten gehen

-      Zugelassen sind Einkäufe, Besuche beim Arzt, Gänge zur Post, zur Bank (nur noch auf Termin), zur Apotheke, zur Tankstelle oder notwendige Ortsveränderungen, um Menschen, die dies benötigen, zu helfen

-      Frische Luft schnappen und sich bewegen ist erlaubt und dazu darf man auch nach draußen gehen. Die Regierung empfiehlt dies sogar. Erlaubt ist dies in Begleitung von Familienmitgliedern, die unter dem gleichen Dach wohnen oder mit einer Person, die nicht zur Familie gehört. Dabei soll aber der notwendige Abstand gehalten werden

-      Ansammlungen von Personen sind verboten

Geschäfte, Einkaufen

-      Für das tägliche Leben nicht wichtige Geschäfts, z.B. im Fachhandel, sind geschlossen

-      Lebensmittelgeschäfte bleiben normal geöffnet. Hamstern ist also nicht nötig. Supermärkte und Warenhäuser beschränken den Aufenthalt auf 1 Person pro 10 Quadratmeter und ein Kunde darf maximal für die Dauer von 30 Minuten im Laden bleiben

-      Apotheken, Tierfuttergeschäfte und Zeitschriftenläden bleiben normal geöffnet

-      Nightshops dürfen bis 22 Uhr am Abend geöffnet bleiben

-      Frisöre dürfen jeweils nur 1 Kunden in ihrem Salon bedienen

-      Märkte sind verboten. Es dürfen auf den Wochenmärkten nur Lebensmittelstände aufbauen und öffnen, wenn diese unbedingt notwendig sind

Gastronomie

-      Alle Cafés und Restaurants

-      Alle Gastronomiebetriebe müssen ihr Terrassenmobiliar einräumen, um zu vermeiden, dass sich Leute treffen und sich dort niederlassen

Arbeit

-      Jeder, der muss, kann und darf zur Arbeit gehen, doch „home office“, also zu Hause arbeiten, muss zur Norm werden und zwar „für jede Funktion, die dies zulässt“. Unternehmen, in denen Heimarbeit nicht möglich ist, müssen die Regeln zum Abstandhalten („social distancing“) einhalten

-      Unternehmen, die diese Regelungen nicht einhalten können, müssen schließen. Unternehmen, die diese Regelungen nicht respektieren, müssen mit hohen Bußgeldern rechnen und bei wiederholten Verstößen kann das Unternehmen auch geschlossen werden

-      Nur in bestimmten essentiellen Sektoren, z.B. im medizinischen oder im Pflegebereich und bei anderen wichtigen Dienstleistern können Ausnahmen gemacht werden, doch auch hier muss auf „social distancing“ weitgehend geachtet werden - eine entsprechende Liste von möglichen Bereichen stellt die Regierung noch zusammen

Schulen und Unterricht

-      Der Schulunterricht bleibt unterbunden. Strikt genommen sind die Schulen zwar nicht geschlossen, denn Kinder, deren Eltern keine Auffangmöglichkeiten haben, z.B. wenn diese in essentiellen Berufen arbeiten (Medizin, Pflegebereich, Sicherheitssektor, Polizei und Feuerwehr, öffentliche Verkehrsmittel…), finden hier weiter Aufnahme und Begleitung. Das betrifft auch Kinder, die nur bei Senioren aufgenommen werden können, doch diese bilden eine Risikogruppe und sollen maximal geschützt werden

-      Kinderkrippen bleiben geöffnet

-      Universitäten und Hochschulen sind weiter dazu aufgerufen, auf Unterrichte über Internet zurückzugreifen, was inzwischen auch weitgehend alle Institute auch machen

Keine Veranstaltungen oder religiöse Versammlungen

-      Alle rekreativen, sportiven, kulturellen und folkloristischen Aktivitäten werden annulliert, ungeachtet ihres Umfangs und der Frage, ob sie privat oder öffentlich sind

-      Hochzeiten oder Beerdigungen dürfen nur im engsten Familienkreis stattfinden. Die Katholische Kirche lässt derzeit keine Hochzeiten oder Taufen zu

-      Jede Art von kirchlichen Feiern oder Messen, gleichwelcher Glaubensrichtung sind untersagt

-      Besuche in jeder Art von Pflege- oder Wohnheimen (für Senioren, Menschen mit Behinderung, Psychiatrie…) sind verboten und auch Häftlinge in Gefängnissen dürfen nicht besucht werden

Öffentlicher Nahverkehr

-      Der öffentliche Nahverkehr funktioniert normal. Die Behörden bitten allerdings darum, die Nutzung auf dringend notwendige Fahrten zu verzichten und wichtige Fahrten nicht während den Stoßzeiten zu unternehmen. Arbeitgeber, die nicht alle ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten lassen können, sollen ihre Dienstpläne flexibel gestalten, damit der öffentliche Nahverkehr punktuell nicht zu sehr belastet wird. Die belgische Bahn hat inzwischen rund 100 Pendlerzüge zu den Stoßzeiten aus dem Fahrplan gestrichen. Die Zugbegleiter kontrollieren derzeit keine Fahrscheine und Busse und Straßenbahnen lassen ihre Fahrgäste hinten einsteigen, um direkte Kontakte zu den Fahrern zu verhindern. Fahrkarten müssen online oder am Ticketautomaten gelöst werden

Reisen ins Ausland

Alle Auslandsreisen, die nicht dringend notwendig sind, sind bis zum 5. April verboten. Die Flughäfen bleiben geöffnet, doch viele Fluggesellschaften haben ihre Flüge drastisch eingeschränkt. Brussels Airlines setzt ab Freitag, 20. März, den gesamten Flugbetrieb aus

Infos über die kostenlosen belgischen Telefonnummern 0800 14 689 für Fragen zu Gesundheit und öffentliche Ordnung oder 0800 120 33 für Fragen zur wirtschaftlichen Themen und zum Bereich Arbeit.