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Epidemiologin: "Wir erreichen den Corona-Höhepunkt in 10 bis 14 Tagen"

Die flämische Epidemiologin Annemie Vandamme von der Unhiversität Löwen (KULeuven) ist der Ansicht, dass Belgien den medizinischen Höhepunkt der Covid-19-Epidemie in 10 bis 14 Tagen erreichen könnte. Die Professorin ruft die Regierung und die Behörden gegenüber VRT NWS dazu auf, die geltenden Maßnahmen über den 5. April hinaus aufrecht zu erhalten, auch wenn die die geltenden Regelungen begrüßt.

KUL-Epidemiologin Vandamme zeigt sich in der Coronakrise aber auch hoffnungsvoll: „Ich denke, dass die Maßnahmen nötig sind, weil sich die Bevölkerung dessen bewusst werden musste, wie ernst die Lage ist. Es ist schwierig für die Bevölkerung, plötzlich den ganzen Lebensrhythmus anpassen zu müssen, doch die Regierung macht dies, um zu vermeiden, dass die Leute versuchen, das alles zu umgehen.“

„Wir wissen heute enorm viel über das Coronavirus. Über kein einziges anderes Virus haben wir bisher in so kurzer Zeit so viel erfahren. Wir wissen zum Beispiel, dass Menschen, die keine Symptome spüren, das Virus doch weitergeben können. Das wussten wir vor einem Monat noch nicht. Wir haben mehr oder weniger eine Idee davon, wie viele Infizierte sich ohne Symptome oder nur mit leichten Symptomen bewegen. Rund die Hälfte aller Menschen, die das neue Coronavirus tragen, werden das selbst nie wissen.“

Die Löwener Professorin unterstreicht aber, dass es noch keine Medizin und keinen Impfstoff gegen Covid-19 gibt: „Wir haben aber inzwischen Angaben aus China und aus Italien darüber, wie Symptome betrachtet werden können und wie Patienten in kritischem Zustand behandelt werden müssen.“ Vandamme gab auch zu verstehen, dass die die Krise und die Auswirkungen davon am Anfang unterschätzt habe: „Ich habe auch daraus meine Lektion gelernt.“

Die Epidemiologin geht davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie Belgien noch erreichen muss. Dies könne man aus der Handhabe Chinas und Italiens ersehen, denn die Chinesen hätten rasch sehr strenge Maßnahmen erlassen, während Italien länger gewartet habe, bevor dort hart durchgegriffen wurde: „Dort ist der Höhepunkt noch nicht vorbei. Die diagonstizierten Fälle stagnieren inzwischen, doch Diagnosen werden nur für Personen erstellt, die in kritischem Zustand sind. Das stört die Zählung. Ich habe den Eindruck, dass Italien den Höhepunkt noch gar nicht erreicht hat.“

Für Belgien geht die Medizinerin davon aus, dass dieser Höhepunkt erst in 10 bis 14 Tagen erreicht sein wird: „Die Maßnahmen, wie wir ergriffen haben, reichten aus, doch wir haben diese nicht ausreichend eingehalten. Darum glaube ich, dass wir die verschärften Maßnahmen länger als bis zum 5. April einhalten müssen.“