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Covid-19: Die Frage der weiter offenen Grenzen stellt sich in verschiedenen Bereichen

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) möchte die Grenzen zu den Nachbarländern Belgien und Niederlande möglichst nicht schließen. Doch einige Provinzen in Belgien kontrollieren die Grenzen in eigener Initiative, z.B. zwischen Nordfrankreich und Westflandern. Andere Regionen, durch die die alten Landesgrenzen kreuz und quer laufen, wie z.B. in Baarle-Nassau/Baarle-Hertog, stellen sich Fragen bezüglich den unterschiedlichen Vorgehensweisen in Bezug auf das Coronavirus in den Niederlanden und hier in Belgien. 

„Solange es der Pandemie-Bekämpfung dient, wollen wir, dass die Grenzen Belgien-Niederlande-Nordrhein-Westfalen offen bleiben“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstag in Düsseldorf. „Wenn die Dinge aus dem Ruder laufen, muss man neu nachdenken.“ Er sei mit den Nachbarländern in enger Abstimmung: „Heute ist ein guter Zustand und kein schlechter Zustand. Bei einem Gipfel-Treffen mit Spitzenvertretern der NRW-Wirtschaft sei er ausdrücklich gebeten worden, dafür zu sorgen, dass die Lieferketten nicht unterbrochen würden, so Laschet. 60 Kilometer Rückstau wegen Grenzkontrollen, vergammelnde Lebensmittel in LKW und Lieferengpässe bei Medikamenten müssten künftig verhindert werden.

Das betrifft wohl auch den Frachtverkehr zwischen Deutschland im Allgemeinen und NRW im Besondern und den belgischen Seehäfen von Antwerpen und Zeebrügge, die alles daran setzen, möglichst ohne Probleme zu funktionieren, um auch die Versorgung der Gesellschaft mit u.a. Lebensmitteln zu garantieren.

Westflandern

Inzwischen geht die Provinz Westflandern dazu über, ihre Grenzen mit Frankreich und mit den Niederlanden intensiver zu kontrollieren. Franzosen und Niederländer, die keinen vernünftigen Grund angeben können, hier einzureisen, werden zurückgeschickt. Natürlich können die Arbeitnehmer unter den Grenzgängern, die in Flandern arbeiten gehen, einreisen. Westflanderns Provinzgouverneur Carl Decaluwé begründet diese Maßnahme wie folgt: „Die Belgier müssen sich auf essentielle Ortsveränderungen beschränken, also müssen sich auch die Bürger unserer Nachbarländer daran halten.“

Limburg

Nicht anders geht die Provinz Limburg vor, die z.B. niederländischen Radfahrern in der Grenzregion empfiehlt, im eigenen Land zu bleiben. Die wird auch niederländischen Tankstellentouristen empfohlen. Niederländische Arbeitnehmer, die in Limburg arbeiten, sollen ein Schreiben ihrer Arbeitgeber vorlegen, um einreisen zu dürfen.

Sonderfall Baarle-Nassau/Baarle-Hertog

Ein ganz anderes Problem hat die Gemeinde Baarle-Hertog am Rande der Provinz Antwerpen. Hier verläuft die Landesgrenze quer durch die Ortschaft hindurch, die in den Niederlanden Baarle/Nassau heißt. Gerade hier machen sich die Bewohner sehr große Sorgen, denn die Niederlande handhaben einen völlig anderen Umgang mit der Coronakrise, als Belgien mit seinen verschärften Maßnahmen, die an eine Art Ausgangssperre erinnern.

Die Niederländer gehen von der sogenannten „Gruppen-Immunität“ aus, in dem man eine Immunität gegen das Virus aufbauen will, in dem man sie sich verbreiten lässt. Diese Art und Weise, wie sie auch die Briten handhaben, ist im Rest von Europa sehr umstritten… Und da in Baarle-Nassau alle Geschäfte geöffnet bleiben, gehen die Belgier aus Baarle-Hertog dort tagtäglich einkaufen. „So handeln wir gegen das belgische System“, bedauert Baarle-Hertogs Bürgermeister Frans de Bondt gegenüber VRT NWS.

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