Charles Michel fordert europäisches Krisenzentrum: "Es fehlt ein einheitlichen Kommando"

Der europäische Präsident – der Belgier Charles Michel (Foto) - will ein europäisches Krisenzentrum einrichten, das in Zukunft Ereignissen wie der Corona-Krise die Stirn bieten kann. Das sagte er in der VRT-Fernsehsendung „De zevende dag“ (dt.: „Der siebte Tag") im Skype-Talk. Der Präsident des Europäischen Rates bedauert, dass alle Länder versuchten, die Krise auf ihre Weise zu bewältigen, und dass es in der Europäischen Union an einer einheitlichen Führung fehle.

Die Coronakrise hat in den vergangenen Wochen wiederholt gezeigt, dass in der Europäischen Union vor allem jedes Land erst mal für sich selbst sorgt. Dies wird von Charles Michel auch respektiert. Der ehemalige belgische Premierminister, der jetzt in der EU die Fäden zieht, stellt aber fest, dass "die verschiedenen europäischen Länder nicht zur gleichen Zeit die gleiche Analyse der Situation vorgenommen haben" und entsprechend anders auf die Krise reagierten.

Michel klagt über einen Mangel an einheitlicher Führung auf europäischer Ebene. Er zieht seine Lehren aus der aktuellen Corona-Krise und will so schnell wie möglich nach deren  Bewältigung mehr Ressourcen für die gesamteuropäische Krisenbewältigung freisetzen. Deshalb setzt er sich für die Schaffung eines Europäischen Krisenzentrums ein.

Europäischer Katastrophenschutz

„Wir haben einige Instrumente, aber die heutige Krise zeigt, dass es in Zukunft entscheidend sein wird, im Falle einer internationalen oder europäischen Krise mehr Ressourcen zur Verfügung zu haben", sagte Michel im Skype-Talk im VRT-Fernsehen.

Konkret denkt Michel auch über die Einrichtung einer europäischen Katastrophenschutztruppe nach. Nach Ansicht des europäischen Präsidenten zeigt die Situation in Spanien und Italien, wie wichtig es ist, in Krisensituationen ausreichende europäische Ressourcen zur Verfügung zu haben.