Richard Brocken/HH

Kultur in Coronazeiten: Virtuell durch ein Museum, durch ein Gesamtwerk und durch einen Baustil wandern

In ganz Belgien sind derzeit aufgrund der strengen Corona-Maßnahmen, die die belgische Regierung erlassen hat, alle Museen geschlossen. Das bedeutet auch, dass bis auf weiteres einige aufsehenerregende Ausstellungen in Flandern, die z.B. „Van Eyck in Brügge“ und die Ausstellung zum Van Eyck-Jahr in Gent mit der "Optischen Revolution" nicht zu sehen sind. Doch das Internet bietet hier Abhilfe und auch einige andere Möglichkeiten zu einem virtuellen Museumsbesuch oder zu einem Rundgang durch eine Stadt, um die dortige Architektur zu bewundern, bieten sich gerade online an, da man gerade in den eigenen vier Wänden bleiben muss. 

Jan Van Eyck online: Wie man seine Werke noch nie sah!

Eigentlich lassen sich die Werke des flämischen Meisters Jan Van Eyck am allerbesten aus nächster Nähe entdecken, doch durch die Coronakrise sind die beiden bahnbrechenden Van Eyck-Ausstellungen in Brügge und in Gent bis auf weiteres geschlossen. Doch auch hier bietet das Internet besondere Möglichkeiten.

Im Groeningemuseum von Brügge hängen zwei Werke von Jan van Eyck, nämlich „Madonna mit dem Kanonikus Joris van der Paele“ aus dem Jahr 1436“ und „Porträt von Margareta van Eyck“ aus dem Jahr 1439. Viele andere seiner Werke sind gerade in der Ausstellung „Optische Revolution“ Gent zu sehen oder in Museen in ganz Europa und in den USA. Doch über die Webseite „Closer to van Eyck“ ist möglich, alle diese Werke genauestens zu betrachten und dies auch noch kostenlos.

Die Internetseite „Closer to van Eyck“ zeigt 20 Werke des flämischen Malers Jan van Eyck aus dem 15. Jahrhundert in einer besonders scharfen und detailreichen Art und Weise. Bisher konnte man online der Restaurierung von Van Eycks Schlüsselwerks „Lamm Gottes“ in Gent präzise verfolgen. Diese ist aber passend zum Van Eyck-Jahr 2020 abgeschlossen worden, doch jetzt ist möglich, das gesamte Werk dieses „Flämischen Primitiven“ zu erfassen und studieren.

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Das Königliche Institut für das Künstlerische Patrimonium (KIK) arbeitete dazu eng mit den beteiligten Museen, mit der Getty-Foundation und mit dem eigens dazu ins Leben gerufenen VERONA-Team (Van Eyck Resarch in OpeN Access) zusammen, um die Gemälde bildtechnisch in höchstauflösender Form zu erfassen. Dazu wurden bis 2019 alle Van Eyck-Werke mit Makrofotographie, Röntgenfotografie und Infrarotfotografie bis ins kleinste Detail dokumentiert. Damit begann für das Gesamtwerk des Jan van Eyck eine neue kunsthistorische Epoche, denn jetzt kann man seine Bilder in einer bisher nie dagewesenen Detailfülle betrachten.

„Besser als das Original“ heißt es da und das mag stimmen, denn erst jetzt finden die Kunsthistoriker heraus, mit welcher Genauigkeit Jan van Eyck seinerzeit gearbeitet hat. Es heißt, dass er manchmal Pinsel mit nur einem Haar genutzt haben soll. Dies bietet Details, die man auf einem monumentalen Werk nie und nimmer mit bloßem Auge erfassen kann. Auch nicht im Brügger Groeningemuseum oder im Museum für Schöne Künste in Gent…

Eine Webseite lässt Art-Nouveau in Brüssel digital entdecken

Art-Nouveau-Gebäude sind in der belgischen Hauptstadt Brüssel wahrlich keine Seltenheit, doch nur selten bieten sich Möglichkeiten, auch hinter die prächtigen Fassaden solcher Häuser zu blicken. Ab und zu können solche Bauten im Rahmen von Tagen des offenen Denkmals oder beim Art-Nouveau-Festival in Brüssel (BANAD) betreten werden, doch zumeist bleiben die Türen zu solchen Häusern eher verschlossen und gerade derzeit, durch den „Lockdown light“ in Belgien, ist eh damit Schluss.

Da bietet die seit einigen Monaten funktionierende Webseite "insideartnouveau" einen digitalen Blick hinter zahlreiche Art-Nouveau-Fassaden. Letztes Jahr hat die Region Brüssel-Hauptstadt gemeinsam mit dem europäischen RANN-Netzwerk (Réseau Art Nouveau Network), ein Kooperationsverbund von 20 Städten in Europa, die mit einem besonderen Art-Nouveau-Patrimonium aufwarten können, die Webseite „insideartnouveau“ vorgestellt. Diese Webseite bietet Brüsselern, Architekturfans und Fachleuten aus diesem Bereich einen virtuellen Einblick in zahlreiche solche Häuser. Dies soll ein erster Schritt dahingehend sein, dass das Art-Nouveau-Kulturerbe in der belgischen Hauptstadt in Zukunft zugänglicher wird, so Brüssels regionaler Minister für Kulturerbe und Städtebau, Pascal Smet (SP.A/one.brussels), bei der Lancierung dieser Webseite.

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Hotel Tassel in Brüssel, Architekt: Victor Horta

Diese Webseite bietet eine Stadtkarte, Zeichnungen und Erklärungen, Links via Geolocation und sorgt dafür, dass Interessenten ihren Weg durch das Art-Nouveau-Brüssel finden können. Übrigens bewirbt VisitBrussels, das hiesige regionale Tourismusamt, die Webseite „insideartnouveau“ inzwischen international. Brüssels Kulturerbe-Minister Smet sagt zu dieser Initiative: „Die Identität einer Stadt hängt von drei Elementen ab: Die Bewohner, der öffentliche Raum und die Gebäude und nicht zuletzt von der Interaktion zwischen diesen drei Faktoren. In Brüssel ist Art-Nouveau ein wesentlicher Bestandteil dieser Identität, dieses Images.“

Die Webseite „insideartnouveau“ funktioniert auf allen möglichen digitalen Trägern: Handy, Smartphone, klassischer PC oder Laptop… Derzeit sind rund 200 Brüsseler Gebäude in diesem Architekturstiel darin enthalten und stets werden es mehr. Und gleichzeitig wird ein entsprechendes Angebot zur Art Deco und zum Modernismus vorbereitet.

Das Museum M in Löwen lädt zum virtuellen Besuch ein

Das M Museum in Löwen bietet einen Überblick über die Kunst Löwens und der Provinz Flämisch-Brabant vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Sammlung dieser Einrichtung beinhaltet einerseits den Kirchenschatz an Sint-Pieter (Brabantische Hochgotik des 15. Jahrhunderts), der in dieser Kirche zu sehen ist (dort läuft gerade eigentlich eine wunderbare Ausstellung zum Werk Dieric Bouts‘) und andererseits zum einen spätgotische Gemälde und Skulpturen, etwa von Jan Rombouts I., Josse van der Baren, Rogier van der Weyden oder dem bereits erwähnten Dieric Bouts und zum anderen flämische Meister des 19. Jahrhunderts, wie Constantin Meunier, Jef Lambeaux und George Minne. Doch auch moderne Gegenwartskunst ist dort zu erleben. Aber, auch hier ist wegen Covid-19 erst einmal geschlossen.

Da ein Besuch vor Ort derzeit nicht möglich ist, setzte das M Museum alles daran, sein Angebot bzw. seine Sammlungen und Ausstellungen zu den Menschen daheim zu bringen. Denise Vandevoort, die Vorsitzende des Verwaltungsrates des Hauses und gleichzeitige Kulturschöffin der Stadt, sagte dazu: „Besucher können über unsere Webseite virtuell durch die Säle spazieren und sie können sich Videos zu aktuellen und früheren Ausstellungen ansehen. Und sie können sich Podcasts (in Niederländisch (Red.) anhören. Nicht zuletzt können sie auch die Beiträge unseres nagelneuen ‚M Magazins‘ lesen (in Niederländisch (Red.).“ M wolle auch in diesen Coronazeiten so vielen Menschen wie möglich erlauben, sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen und mit Kunst in Kontakt bringen, so Peter Bary, der Direktor des M Museums in Löwen.

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Stillfoto aus dem Video zur Bormans-Ausstellung

Das Haus zeigt gleich mehrere 360°-Videos von früheren Ausstellungen. Das betrifft insgesamt 9 Einzelausstellungen oder Projekte aus der jüngeren Vergangenheit. Nicht zuletzt bietet der You Tube-Kanal des Museums weitere Videos und der museumseigene Instagram-TV-Kanal lässt die Reihe #haalMinhuis einige kurze Videos des angolanischen Künstlers Kilianji Kia Henda entdecken, der gerade in M Museum ausstellt. Alle Online-Kanäle sind auf der Webseite des M Museums abzurufen. Es lohnt sich! 

Im M Museum ist auch moderne und zeitgenössische Kunst zu sehen

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