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"Zu schwache Patienten nicht mehr ins Krankenhaus einliefern!" - Patienten vorziehen, je nach Genesungsmöglichkeit?

Inzwischen rät die Universitätsklinik von Gent intern dazu, die schwächsten Patienten nicht mehr auf Intensivstationen zu behandeln, ob sie Covid-19-Patienten sind oder ob sie an anderen schweren Krankheiten leiden. Diese Patienten seien besser in Pflegeheimen untergebracht und sollten nicht mehr in Richtung Krankenhaus gebracht werden. Von „würdigem Sterben“ ist hier die Rede und dies wird von Fachleuten aus dem Gesundheits- und Pflegesektor ebenso unterstützt, wie durch die belgische Bundesregierung. 

Damit folgt die UZ Gent einer Empfehlung der Uniklinik von Löwen nach, deren Ethikkommission in der vergangenen Woche sagte, man solle Patienten mit besseren Überlebenschancen unter Umständen vorziehen und stark geschwächte Patienten nicht mehr in die Intensivstationen bringen. Diese Haltung wird inzwischen von der belgischen Bundesregierung unterstützt, die dazu eine entsprechende Richtlinie verabschiedete.

Diese Richtlinie entspricht einer international gehandhabten Vorgehensweise, die „Clinical Frailty Scale“ (CFS) genannt wird, nach der in Notfallsituationen, wie z.B. einer Pandemie, die ein nationales Gesundheitswesen unter Druck setzen, tatsächlich eine Auswahl je nach körperlichem Zustand vorgenommen werden soll, wie die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schreibt.

An der Genter Uniklinik will man sich an diese Vorgaben in Falle eines Falles halten und Entscheidungen, welche Patienten mit Genesungschancen intensiv behandelt sollen und welche nicht mehr, treffen mindestens drei Mediziner gemeinsam. Die belgische Bundesregierung erließ hierzu spezifisch eine entsprechende Richtlinie für die Pflege- und Seniorenwohnheime.

Auf Palliativpflege setzen

Demnach sollten schwer erkrankte Bewohner solcher Einrichtungen, wenn sie z.B. mit Covid-19 angesteckt wurden, nicht mehr in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Viele Beteiligte in Belgien empfehlen diese Handhabe und fordern sie sogar seit geraumer Zeit. Fachleute in Sachen Coronavirus, die Aktoren im Pflegesektor und auch die Ärzteverbände sind der Ansicht, dass man schwerkranke und besonders schwache Menschen in Würde in ihren Pflegeheimen sterben lassen solle, statt sie in anonyme Kliniken zu bringen, wo sie alleingelassen die letzten Stunden oder Tage ihres Lebens verbringen müssten.

Trotzdem sind diese Richtlinie und diese Handhabe eine sehr delikate Angelegenheit und in den Pflege- und Seniorenheimen muss man sich auf eine neue Situation vorbereiten und damit umgehen (können). Für diese Einrichtungen bedeutet dies, verstärkt auf Palliativpflege zu setzen. Gänzlich unvorbereitet sind sie aber nicht, denn in ersten Reaktionen gaben Vertreter solcher Einrichtungen gegenüber VRT NWS zu verstehen, dass sie inzwischen darüber mit dem Pflegepersonal, mit den Angehörigen und auch mit den Betroffenen selbst reden.

Auch das Personal in Senioren- und Pflegeeinrichtungen in Belgien ist mehrheitlich der Ansicht, dass man betroffene Personen in Würde und in ihrer vertrauten Umgebung sterben lassen sollte. Doch die tatsächliche Entscheidung selber fällen sie nicht selbst. Dies, so die Reaktion in allen von VRT NWS befragten Einrichtungen z.B. im belgischen Bundesland Flandern, sei weiterhin alleine Sache der Betroffenen selbst, so sie entscheidungsfähig sind, der Angehörigen und der jeweiligen Hausärzte. 

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