Über 1 Million Menschen in Belgien in Kurzarbeit - Frisöre müssen jetzt doch schließen

Inzwischen sind 1.075.000 Menschen in Belgien durch die Coronakrise in Kurzarbeit oder technisch arbeitslos. Nach Angaben von Bundesarbeitsministerin Nathalie Muylle (CD&V) ist dies eine Verdopplung der Zahlen von vor einer Woche, als die Regierung ihren Maßnahmenkatalog zum Verhalten gegen eine schnelle Ausbreitung von Covid-19 erließ. Seit dem stieg die Zahl der Betroffenen in dieser Hinsicht steil nach oben. 

Kurzarbeit oder technische Arbeitslosigkeit hilft den Unternehmen dabei, ihre Personalkosten in Krisenzeiten zu senken, ohne ihre Mitarbeiter entlassen zu müssen. Die betroffenen Arbeitnehmer erhalten dann Zuwendungen von den Arbeitsämtern in Bund und Ländern. Diese belaufen sich in der vorliegenden Coronakrise auf 70 % des bisherigen Lohns oder Gehalts bei einer Maximalsumme von 2.754,76 €. Diese Maßnahmen, so Arbeitsministerin Muylle, könnten 3 bis 4 Monate wirksam sein.

Im Zuge dieser Krise und der Maßnahmen zur Unterstützung von betroffenen Unternehmen und Beschäftigten vereinfachte die belgische Regierung die Schritte, die dahingehend zu unternehmen sind und verzichtet auf viele einzelne Zwischenschritte bei der Antragsstellung. Damit, so die Arbeitsministerin, wolle man den Unternehmen und den betroffenen Arbeitnehmern „Sauerstoff“ geben und die Kaufkraft aufrecht erhalten…

Allerdings konnte die Regierung dabei auf Erfahrungen aus der Vergangenheit setzen, denn unser Land hatte im Zuge der allgemeinen Banken- und Finanzkrise vor rund 10 Jahren schon ein entsprechendes System ausgebaut und war dabei sehr erfolgreich. Im Vergleich zu den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Niederlande waren hier deutlich mehr betroffene Beschäftigte in dieser Form von zeitweiliger technischer Arbeitslosigkeit untergebracht und so konnte der wirtschaftliche Schaden in Belgien beschränkt werden und bleiben. Jetzt setzt die aktuelle Regierung auf einen ähnlichen Effekt in dieser Krise, die wohl weitaus schwieriger zu meistern sein wird. 

Friseure müssen schließen, Läden für Tier- und Viehfutter dürfen Blumen verkaufen

Die belgische Bundesregierung hat am Dienstag beschlossen, dass die Frisörsalons im Land ab sofort und bis zum 5. April geschlossen bleiben müssen. Der entsprechende Erlass sieht keine Ausnahme für Frisöre vor. Bislang durften Friseure noch Kunden auf Termin bedienen, jedoch nur einen Kunden pro Vorgang im Salon und dies unter größtmöglicher Beachtung der Richtlinien zum „social distancing“.

Viele Frisöre hatten sich beklagt, dass sie ihren Beruf ohne einen fast direkten Kontakt zu ihren Kunden ohne Ansteckungsgefahr überhaupt nicht ausüben konnten. Jetzt können auch sie auf die staatlichen Hilfsmaßnahmen für Selbständige in diesen Coronazeiten zurückgreifen und Antrag auf ein Ersatzeinkommen stellen.

Eigentlich hatte es ursprünglich in Belgien geheißen, dass Blumenläden geöffnet bleiben dürfen, damit sich die Menschen in diesen Tagen mit frischen Blumen etwas Fröhlichkeit ins Haus holen können. Doch diese Vorgehensweise wurde jetzt von den Behörden zurückgenommen. Tier- und Viehfutterläden im Land, die nebenbei auch Blumen verkaufen, dürfen dies aber jetzt weiter tun, wie die Regierung dazu beschlossen hat. 

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