Hotel in Brügge nimmt Obdachlose auf: "Ich hatte noch nie eine so respektvolle Klientel"

In einem Hotel im Herzen von Brügge erhalten Obdachlose ein Zimmer für die Nacht. Aufgrund der derzeitigen Corona-Maßnahmen ist der Platz in den bestehenden Unterkünften nicht ausreichend. Die Obdachlosen sollen drinnen bleiben, aber sie haben keine Bleibe, wo sie sich aufhalten können und die Polizeipatrouillen verjagen sie. Doch in Brügge dürfen nun also mehrere Obdachlose in einem Hotel übernachten.

Die Coronakrise schafft auch viel Solidarität. Das Drei-Sterne-Hotel 't Putje im Zentrum von Brügge hat seine Zimmer für Obdachlose geöffnet. Tina Wijns, die Direktorin von 't Putje betonte in der VRT: "Im Moment sind 18 unserer 37 Zimmer belegt. Jeden Tag kommen Menschen zu uns."

„Die Menschen haben gefroren. Es waren welche darunter, die hatten ganz lila Hände. Man kann das nicht beschreiben. Mich hat das so berührt. Ich habe ihnen gesagt, nehmt ein Bad und wärmt Euch auf.“

In Brügge gibt es das Nachtquartier der Vereinigung 't Sas. Dort stehen derzeit nur noch 10 Betten zur Verfügung wegen der nötigen Hygienemaßnahmen, die eingehalten werden müssen. Dank der spontanen Zusammenarbeit mit dem Hotel 't Putje konnten sie diese Kapazität aber ausbauen.

"Wir geben diesen Leuten ein Bett. Sie können ein Bad nehmen. Morgens geben wir ihnen Kaffee. Wir dürfen ihnen kein Frühstück anbieten. Sie müssen um 9:00 Uhr wieder auf die Straße gehen. Sie können ihr Frühstück im Sas abholen."

Tina Wijns, Direktorin von 't Putje

„Es gibt Rechtsanwälte, die Leute zu uns schicken. Es sind zum Beispiel Menschen, die aufgrund von Schulden, einer Scheidung oder eines Brandes kein Dach mehr über dem Kopf haben", so die Betreiberin des Hotels.

Die Hotelrezeption ist rund um die Uhr besetzt. "Wir sind zu dritt, also ist Tag und Nacht jemand an der Rezeption. Wir haben auch eine Putzhilfe. Aber die Besucher in 't Putje verlassen ihre Zimmer alle sauber. Keine Klischees über Armut, Verunreinigung und Verwahrlosung. Diese Menschen zeigen Wertschätzung und sind sehr dankbar. Sie strahlen, nachdem sie ein Bad nehmen konnten. Ich arbeite seit 46 Jahren in der Hotelbranche. Und ich habe noch nie eine solche Dankbarkeit gesehen. Das tut so gut. Dank ihnen kann das Hotel auch offen bleiben", so die Direktorin noch.

„Ich bin seit dem 22. November obdachlos“, bezeugt Nicolas de Bels. Es ist das erste Mal, dass ich ein warmes Bad genommen habe - in dieser Woche. Das tut doch sehr gut, der Moral und dem Körper selbst natürlich auch.“

Ähnliche Initiativen gibt es auch in anderen Städten. Das Sozialamt bezahlt in solchen Fällen 30-40 Euro pro Zimmer. „Wir empfinden es als ein Privileg, hier schlafen zu dürfen“, so de Bels auch noch.

Nicolas de Bels
Radio 2