Interministerielle Konferenz für Frauenrechte warnt: "Für einige Frauen könnte Quarantänezeit zur Tragödie werden"

Die Interministerielle Konferenz für Frauenrechte warnt vor einem höheren Risiko von Partnergewalt, da Frauen trotz einer gewalttätigen Situation zu Hause wegen der Coronakrise öfter im Haus bleiben müssen. "Für einige Frauen könnte die Quarantänezeit zu einer Tragödie werden", sagte die Vorsitzende Nawal Ben Hammou, die die Konferenz am kommenden Donnerstag einberuft, um das Thema "Höheres Risiko von Partnergewalt" zu diskutieren.

Die Interministerielle Konferenz über Frauenrechte wurde Ende letzten Jahres auf Initiative der Brüsseler Staatssekretärin für Chancengleichheit Nawal Ben Hamou (PS) ins Leben gerufen. Die anderen Regierungen in diesem Land unterstützten die Idee. Ziel ist es, sich mehrmals im Jahr zu treffen, um den Stand der Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans "Geschlechtsbezogene Gewalt" für den Zeitraum 2020-2024 zu bewerten und eine koordinierte Politik für ganz Belgien zu entwickeln.

Die Coronakrise ist nun das Hauptanliegen der Interministeriellen Konferenz, kündigte die Vorsitzende Ben Hamou an diesem Sonntag an. Vor allem jetzt, da der Nationale Sicherheitsrat beschlossen hat, den Zeitraum, in dem wir alle so weit wie möglich zu Hause bleiben müssen, bis zum 19. April zu verlängern. Diese Maßnahmen sind "absolut notwendig", aber gleichzeitig erhöhen sie das Risiko von Gewalt durch den Partner und innerfamiliäre Gewalt, weil die Spannungen innerhalb der Familie zunehmen können, heißt es.

Wenn die Opfer zusammen mit ihren Gewalttätern isoliert werden, kann es sehr schwierig sein, diese Gewalt aufzudecken"

"Es ist nicht leicht, zu Hause eingesperrt zu sein", sagt Ben Hamou. "Das gilt sicherlich für Frauen, die bereits eine komplizierte Beziehung haben. Für einige dieser Frauen kann die Quarantänezeit zu einem Drama werden. Wenn die Opfer zusammen mit ihren Gewalttätern isoliert werden, kann es sehr schwierig sein, diese Gewalt aufzudecken."

Ben Hamou will koordinierte Formen der Intervention und Unterstützung, um Frauen in Belgien, die Opfer häuslicher Gewalt sind, bestmöglich zu schützen. Am kommenden Donnerstag werden die Vertreter der zwölf Minister, die an der Interministeriellen Konferenz teilnehmen, zusammenkommen, um eine Bestandsaufnahme zu machen, wenn auch per Videokonferenz. Auf der Konferenz werden ferner die Probleme alleinstehender Frauen, ihre sozioökonomische Situation und der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung erörtert, heißt es auch noch.

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