Obst- und Gemüseanbau: Zuerst fehlen die Erntehelfer und jetzt kommt auch noch Nachtfrost hinzu

Die Obstbauern im limburgischen Haspengouw werden gerade doppelt hart getroffen. Zum einen fehlen ihnen durch die Coronakrise die ausländischen Erntehelfer und zum anderen kommt jetzt auch in den Nächten der Frost hinzu. Mancherorts sanken die Temperaturen in der Nacht zum Montag auf -4°C bis -5°C. Das bedeutet, dass so manche Blüten wohl erfroren sind.

Die Obstbauern im Haspengouw haben die vergangene Nacht auf ihren Feldern verbracht. Nach dem um 1 Uhr in der Nacht die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sanken, wurden überall Feuertöpfe angezündet, die danach rund 8 Stunden brannten. Solche Feuereimer können die Temperaturen auf den Feldern um bis zu 2°C erhöhen, so die Erfahrung der Landwirte, doch die speziellen Töpfe, die hier zur Anwendung kommen, kosten viel Geld.

In erster Linie werden derzeit so die Kirschblüten geschützt, doch auf den riesigen limburgischen Birnenplantagen ist es quasi unmöglich, mit Feuer für mehr Wärme zu sorgen, also gehen die Bauern hier von größeren Frostschäden aus. Auch in den kommenden Nächten wird es deutlichen Nachtfrost geben, so die Wettervoraussagen auch für diese Region.

Das Kompetenzzentrum der Früchte- und Obstzüchter in Flandern, „Proefcentrum Fruittelt“, ging am Montagnachmittag davon aus, dass je nach Lokalität die im Anfangsstadium der in Blüte stehenden Birnen durch den Frost zu 20 bis 80 % beschädigt sind und bei den Äpfeln ist die Lage noch problematischer, denn dort könnten 50 bis 90 % der jungen Blüten angegriffen sein.

Doch Dany Bylemans, der Direktor von PC Fruitteelt sagte gegenüber VRT NWS, dass nicht der Nachtfrost Schaden angerichtet hat: „Was auch mitspielt ist der raue und trockene Nordostwind in der vergangenen Woche und in dieser Nacht. Das hat auch mit der Klimaveränderung zu tun. Dadurch nimmt die Möglichkeit von Frostschäden zu.“ Für die kommenden frostigen Nächte empfiehlt das Zentrum, Hagelnetze aufzuhängen, denn diese würden etwas Wind abhalten und für etwas Wärme sorgen.  

Versorgungsprobleme?

Inzwischen ist deutlich, dass die Coronakrise für Probleme bei der Spargel- und Erdbeerenernte sorgen wird, denn das Thema Erntehelfer bleibt weiter akut. Ausländische Erntehelfer dürfen derzeit nicht einreisen und manche zog es aus Angst vor Covid-19 aus eigener Initiative wieder in die zumeist osteuropäische Heimat. Und ob und in welchem Maße tatsächlich Kurzarbeiter, die ihrer normalen Arbeit durch das Virus nicht nachkommen können, eingesetzt werden, ist noch zu klären.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch der Import von Früchten, Obst und Gemüse schwieriger wird. Zitrusfrüchte aus dem Süden Europas werden derzeit nur in kleineren Mengen herangeschafft und der Transport hierher dauert etwas länger. Die Trucks sind nur noch mit einem Fahrer besetzt und der muss seine vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten. Hinzu kommen noch längere Aufenthalte an den Grenzen. Die Einzelhandels- und die Landwirtschaftsverbände in Belgien befürchten zwar kein akutes Versorgungsproblem mit Obdt und Gemüse, doch sie gehen von einer kleineren Auswahl in den Geschäften und Märkten aus. 

Nicolas Maeterlinck