BNP Paribas will 2 Mia. € aus den Gewinnen ihrer belgischen Filiale nach Frankreich abziehen

Die französische Banken- und Finanzgruppe BNP Paribas rechnet mit  Mia. € aus den Gewinnen ihrer belgischen Tochter BNP Paribas Fortis, um ihren Aktionären eine Dividende auszahlen zu können. Diese Idee stößt nicht nur auf Widerstand in Belgien, sondern sie stellt auch einen Schritt entgegen den Empfehlungen der Europäischen Zentralbank (EZB), während dieser Coronakrise keine Dividenden auszuzahlen. 

So wie jedes Jahr soll BNP Paribas Fortis, die belgische BNP Paribas-Filiale, wieder ihre Gewinne nach Frankreich überweisen, um diese mit in die Dividenden einzubringen, wie die flämische Tageszeitung De Standaard am Mittwoch meldet. Im vergangenen Jahr wurden bei der belgischen Tochter Gewinne in Höhe von rund 2,2 Mia. € generiert. Für die Berechnung der Dividenden rechnet das Mutterhaus jetzt mit einer Überweisung von 1,9 Mia. € aus Belgien.

Diese belgische Tochter umfasst auch einige internationale BNP Paribas-Aktivitäten, z.B. in der Türkei und in Luxemburg. Und auch die internationale Leasinggesellschaft Arval, die in insgesamt 28 Ländern aktiv ist, wird von Belgien aus gesteuert.

Das Vorhaben beunruhigt den belgischen Finanzminister Alexander De Croo (Open VLD), denn die EZB hat die Banken in der Europäischen Union darum gebeten, in dieser Coronakrise bis mindestens Oktober 2020 auf Dividenden zu verzichten, damit diese Puffer anlegen, um dieser Krise gewachsen zu sein. 

Ich denke, die Banken behalten am besten ihre Mittel, weil wir nicht genau wissen, wann das Ende dieser Krise sein wird.“

Belgiens Finanzminister Alexander De Croo

Dies sieht auch De Croo so, wie er gegenüber VRT NWS andeutete: „Ich denke, die Banken behalten am besten ihre Mittel, weil wir nicht genau wissen, wann das Ende dieser Krise sein wird. Bei BNP Paribas geht es um die Intention, ihre Dividende auszuzahlen. Ich weiß, dass man diesen Schritt dort auf Basis dessen, was die EZB gesagt hat, evaluiert.“

Belgien ist in dieser Frage Richter und Anwalt zugleich, denn der belgische Staat ist mit einem Anteil von 7,7 % seit der Finanzkrise 2008/2009 der größte Aktionär bei BNP Paribas und ist mit einem Vorstandsmitglied dort vertreten. „Wir werden diese Stimme mit Sicherheit hören lassen“, so Bundesfinanzminister De Croo dazu. Inzwischen hat die VRT NWS-Wirtschaftsredaktion aus Bankenkreisen erfahren, dass man bei BNP Paribas eine Zwischenlösung sucht.

Diese könnte folgendermaßen aussehen: BNP Paribas Fortis schleust nicht die gesamten geforderten 1,9 Mia. € nach Paris und behält die rein belgischen Gewinne zur Absicherung gegen Covid-19. Nur die mit den internationalen Aktivitäten von Brüssel aus generierten Gewinne, sollen demnach in die Dividende fließen. 

Bundesfinanzminister Alexander De Croo (Open VLD)