Gesundheits-Ökonom: "Je länger die Corona-Maßnahmen dauern, je größer die Nachteile für die Wirtschaft"

Je mehr sich die Gesundheitsexperten in Belgien dem Höhepunkt der Covid-19-Epidemie nähern, je deutlicher sollte man darüber nachdenken, die entsprechenden Maßnahmen zu lockern, sagt der Gesundheitsökonom Lieven Annemans (Foto) von der Universität Gent (UGent). Dies soll seiner Ansicht nach aber nicht bedeuten, diese Maßnahmen zu schnell zu lockern, denn der Volkswirt steht deutlich hinter den staatlichen Maßnahmen. Aber, für die Wirtschaft bedeutet die derzeitige Lage enorme Kosten und Verluste.

Gesundheits-Ökomom Lieven Annemans (UGent) sagte am Dienstagabend in der VRT-Sendung „De afspraak“ („Die Verabredung“), dass er voll und ganz hinter den geltenden Maßnahmen stehe: „Stellen sie sich vor, wir hätten nichts getan. Dann hätten wir eine enorme Angstpsychose gehabt, wenn wir sehen die Toten in den Ländern um uns herum sehr deutlich.“ Und möglicherweise sei das Gesundheitswesen in Belgien ebenfalls zusammengebrochen.

Und doch könne ein Land wie Belgien einen solchen Zustand wirtschaftlich gesehen nicht lange durchhalten. Laut Annemans‘ Schätzungen belaufen sich die finanziellen wirtschaftlichen Schäden in Belgien auf bis zu 60 Mia. € und daneben gebe es mehr Armut, mehr Einsamkeit, Depressionen oder Stress, was ebenfalls Folgekosten für die Gesellschaft mit sich bringen würde: „Wenn man bestimmte Maßnahmen zu lange handhabt, werden die Nachteile die Vorteile überwiegen. Wir müssen also über ein Gleichgewicht nachdenken.“

Man müsse sich auf die Suche nach Beschlüssen begeben, die auf Basis von Informationen und Expertise beruhen: „Wenn wir z.B. ab einem bestimmten Moment bestimmte Maßnahmen aufheben, wo liegt dann ein Ansteckungsrisiko und was ist der Kosten-Nutzungs-Effekt für die Wirtschaft und hat dies positive Auswirkungen auf die geistige Gesundheit der Menschen?“

Es gehe darum, Menschen zu helfen, „doch wenn man um Leben zu retten zu viele Mittel aufwendet, stehen diese nicht mehr zur Verfügung, um andere Dinge zu unternehmen.“ Man müsse also im Hinblick auf die Zukunft Abwägungen machen: „Es ist Zeit für ein Exit-Szenario, wenn wir wissen heute mehr über das Virus und es liegen Modelle vor, die die Folgen eines Aufhebens von Maßnahmen berechnen können.“