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Rotes Kreuz will tausende Blutproben auf Antikörper gegen das Coronvirus testen lassen

Ab diesem Donnerstag wird das Rote Kreuz dem Wissenschaftlichen Institut für Volksgesundheit Sciensano alle zwei Wochen etwa 3.000 Blutproben zur Verfügung stellen. Sciensano wird diese dann weiter auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Coronavirus testen, schreibt die Zeitung De Morgen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein erheblicher Teil der Spender ohne ihr Wissen infiziert war.

"Durch die Untersuchung der Menge an Antikörpern im Blut dieser Spender, die zeigen, ob eine Person mit dem Coronavirus infiziert ist oder tatsächlich infiziert war, erhalten wir einen Einblick in das Ausmaß, in dem diese Person eine Resistenz gegen das Virus aufgebaut hat", wird Professor Philippe Vandekerckhove, CEO des Roten Kreuzes Flandern in der Zeitung zitiert.

Aus diesem Screening können zwei wichtige Schlussfolgerungen gezogen werden: zum einen kann damit die effektive Infektionsrate in Flandern in Erfahrung gebracht werden und zum anderen die Entwicklung und Stärke der Resistenz. Zusammen könnten sie zu guten, zuverlässigen Modellen führen, die die Entwicklung der Epidemie abbilden, heißt es.

Bei den Blutproben, die das Rote Kreuz liefern kann, handelt es sich um Blutproben von gesunden Menschen, das heißt Spender, die sich gesund fühlten. Dies betreffe also auch Fälle ohne Symptome und schließe damit die Möglichkeit aus, dass die zugrunde liegenden medizinischen Bedingungen einen Einfluss auf die Testergebnisse in dieser Studie hätten. Die Spender des Roten Kreuzes Flandern bilden eine repräsentative Testbevölkerung aller Bevölkerungsgruppen ab - mit einer "guten Streuung von Alter und Geschlecht": Sie kommen aus ganz Flandern und gewährleisten eine kontinuierliche Versorgung mit Proben. Dadurch kann sich die Forschung über einen längeren Zeitraum erstrecken, heißt es auch noch.

Man zähle auf den guten Willen der Spender, damit diese Studie ein Erfolg werde, denn nur wenn die Spender ihre Zustimmung geben, können ihre Proben für die Forschung verwendet werden.

Das Rote Kreuz präzisiert: "Es sind keine Coronatests, sondern Tests auf Anitkörper, die bestimmen, ob jemand gegen das Virus resistent ist oder nicht."

Sich ergänzende Studien

In Belgien hat das Team des Epidemiologen Pierre Van Damme (UAntwerpen) gerade eine ähnliche Studie begonnen. Bis Ende Juni werden alle drei Wochen 4.000 Blutproben aus kommerziellen Labors in Flandern, Brüssel und der Wallonie entnommen. "Unsere Forschung schließt sich vollkommen an die des Roten Kreuzes an", wird Van Damme in De Morgen zitiert.

Die Proben, die das Team von Van Damme untersucht, stammen von ambulanten Patienten, die mit Beschwerden zum Hausarzt gingen. Auch die Alterskategorie ist in diesen Fällen noch breiter, „was eine komplementäre Wirkung hat".

Unterdessen werde die effektive Testkapazität systematisch erhöht, ist von dem liberalen Minister Philippe De Backer zu hören. Die Testkapazität wird bis Ende der Woche etwa zehntausend betragen.

© Thomas Vanden Driessche