Wird der Sommerschlussverkauf auf August verschoben? Die zuständige Ministerin ist dafür

Belgiens Bundeswirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Nathalie Muylle, eine flämische Christdemokratin (CD&V), will den kommenden Sommerschlussverkauf  um einen Monat, also vom 1. Juli auf den 1. August verschieben, um dem Handel unter die Arme zu greifen. Nicht jeder ist vom Nutzen dieser Maßnahme überzeugt.  

Ministerin Muylle erklärte am Sonntag im VRT-Fernsehen, eine Verschiebung sei wahrscheinlich. Allerdings müsse sie  sich noch mit ihrem Kollegen Denis Ducarme (MR) beraten, der u.a. für Selbständige und Freiberufler zuständig ist. Sie selbst befürwortet eine einmalige Verschiebung des Sommerschlussverkaufs aber energisch.

Muylle reagiert hiermit auf einen Appel der Bekleidungsgeschäfte, die aufgrund der Coronakrise keine Kunden mehr haben und deshalb gerne mehr Zeit hätten, um ihr Kleidungsbestände  verkaufen zu können. Mehr als 90 Modemarken und Ladenketten hatten die Regierung in einem offenen Brief hierum gebeten, darunter eine ganze Reihe bekannter Marken.

Muylle will auch Geschäfte, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können, vor Zwangsräumungen schützen, auch wenn dies vor allem in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt.  In bestimmten Nachbarländern, wie z.B. Deutschland, gibt es hierfür bereits eine Regelung.  Muylle will dies nun bei den Landesregierungen in Flandern, Wallonien und Brüssel zur Sprache bringen. 

Der Einzelhandel liegt nicht ganz auf der gleichen Wellenlänge

Mimi Lamote von der Modemarke Mayerline bestätigt, dass die Krise hart zuschlage. Schließlich liefen die Fixkosten weiter, aber wegen der Corona-Maßnahmen könne in den Geschäften nichts verkauft werden. „Wir alle wissen, dass wir es mit den Online-Verkäufen nicht schaffen werden, wir werden unsere Schulden nicht bezahlen können. Die Läden verbuchen online nur zwischen 5 und 15 Prozent ihres Umsatzes".

„Die Läden sind alle geschlossen. Unser Kapital steckt jetzt im Lager. Aber es ist totes Kapital. Und wir müssen auch die Miete bezahlen, die uns ein Vermögen kostet". Deshalb ist Lamote eine der Befürworterin eines Aufschubs des Sommerschlussverkaufs, um den aktuellen Bestand doch noch loszuwerden.

Aber die Branche selbst ist über die Verschiebung unterschiedlicher Meinung. Luc Van Mol von der Bekleidungskette ZEB ist nicht überzeugt vom Nutzen dieser Maßnahme: „Ich unterstütze die Verschiebung des Sommerschlussverkaufs nicht. Momentan sind nur noch langärmelige Pullover im Angebot und die sind bald unverkäuflich. Ich möchte diese Pullover sofort rabattieren, um sie loszuwerden, um eine neue Kollektion kaufen zu können. Wenn ich bis zum 15. August warten muss, wenn es 30 Grad Celsius hat, und wir dann alle zusammen unsere Pullover verkaufen wollen, kann ich sogar 90 Prozent Rabatt geben, dann werden wir sie trotzdem nicht mehr los".