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„Zu spät eingegriffen“: Die Kritik der Seniorenheime an den flämischen Behörden verschärft sich

Während der zuständige Landesminister Wouter Beke (CD&V) seine Maßnahmen in der Corona-Krise verteidigt, verschärft sich der Ton bei den Leitern und Verbänden der Seniorenheime in Flandern. Die Behörden haben zu spät eingegriffen und schlecht kommuniziert, heißt es.  

Seit Dienstag stehen in Flandern 11000 Test-Kits bereit, um das Personal und die Bewohner in den Seniorenheimen auf das Corona-Virus zu testen. Die Verteilung der Kits über knapp 800 Seniorenheime verläuft nicht ohne Probleme. Während 85 Einrichtungen vernommen haben, dass ihnen Corona-Tests zugeteilt werden, gehen über 700 andere Einrichtungen vorläufig leer aus. Weil die flämischen Behörden keine Auskunft über die Auswahlkriterien geben, machen sich die Bewohner, ihre Familien und das Pflegepersonal große Sorgen. 

Wohn- und Pflegeheim Katharinadal in Hasselt: Schon neun Bewohner gestorben, aber kein Testmaterial

Der Leiter von Katharinadal in Hasselt sagte der VRT, dass in seinem Seniorenheim bereits neun Bewohner an der Lungenkrankheit gestorben seien. Acht weitere Bewohner und 12 Mitarbeiter mit Symptomen seien positiv getestet worden. Dennoch habe seine Einrichtung nicht alle erforderlichen Mittel erhalten, um alle Bewohner und Mitarbeiter zu testen.

Die Auswahlkriterien bei der Testvergabe seien durch die Behörden nicht mitgeteilt worden. Als Leiter könne er weder seine Mitarbeiter noch die Bewohner und deren Angehörige beruhigen. Weil alle ausgeführten Tests bislang eine Corona-Virusinfektion bestätigt hatten, gehe man davon aus, dass das Virus in seinem Seniorenheim viel weiter verbreitet sei. Die Angst davor sei entsprechend groß. 

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Auch andere Seniorenheimleiter reagieren mit harscher Kritik auf den Ansatz des flämischen Gesundheitsministers: Von offizieller Seite habe man zu spät eingegriffen, obwohl man gewusst habe, dass gerade die auf engem Raum zusammenlebenden Senioren durch das Virus bedroht seien. Darüber hinaus fehle es nicht nur an Testmaterial, sondern auch an Mundschutzmasken und Schürzen für das Personal.

Minister Beke sagte, er verstehe die Sorge in den Seniorenheimen und werde sich um Schutzmaterial, Tests und Ersatzpersonal für kranke Mitarbeiter kümmern.  In einem Radiointerview mit der VRT am Mittwochmorgen hatte er seine Kritiker in ihre Schranken verwiesen.

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