Prognose der Belgischen Nationalbank: „Corona-Krise reißt tiefe Wunden, aber die belgische Wirtschaft kann sich auch schnell wieder aufrappeln.“

Kurzfristig kann die Corona-Krise einen 8-prozentigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und einen Anstieg der Staatsverschuldung von 7,5 Prozent verursachen. Diese unheilvollen Prognosen stammen von der Belgischen Nationalbank (BNB) und von der Planungsstelle. Die negativen Auswirkungen sind dramatisch, heißt es, aber sie sind zugleich vorübergehend und außergewöhnlich. Die Wirtschaft in Belgien kann sich auch schnell wieder aufrappeln.

Die Viruspandemie und die getroffenen Bekämpfungsmaßnahmen des Bundesinnenministeriums werden ihre Spuren hinterlassen. Insbesondere in der Wirtschaft und in den öffentlichen Finanzen. In der Krisenzeit müssen die Regierungen für ausgewogene Unterstützungsmaßnahmen und eine ehrliche Verteilung der Kosten zwischen den Unternehmen, Privathaushalten und Behörden sorgen, um die belgische Wirtschaft zu schützen. 

BELGA

BIP kann 2020 um 8 Prozent schrumpfen

Statt eines jährlichen Wachstums von circa 1,5 Prozent könnte die Corona-Krise eine Schrumpfung von 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder ein Minus von rund 45 Milliarden Euro verursachen. Obwohl die BNB und die Planungsstelle in der zweiten Jahreshälfte auch wieder einen kräftigen Aufschwung erwarten, wird diese Aufwärtsbewegung nicht genügen, um die Verluste auszubügeln. Hält der Aufschwung 2021 an, kann erneut Wirtschaftswachstum entstehen.

Haushaltsdefizit bei 7,5 Prozent

Die von den Bundes- und Landesbehörden getroffenen Maßnahmen, um Betriebe und Bürger gegen Konkurse und Arbeitslosigkeit zu schützen, belasten die öffentlichen Haushalte schwer. Auch der Rückgang der Steuereinnahmen wird die Finanzen von Bund und Ländern unter Druck setzen.

Die BNB und die Planungsstelle rechnen mit einem Gesamtdefizit von 7,5 Prozent (+ 5 Prozent), womit Belgien weit über den vorgeschriebenen 3 Prozent der Europäischen Union liegen würde.

Flip Franssen

Vorübergehender Konsumeinbruch

Weil viele Geschäfte geschlossen sind, geht der Konsum in der ersten Jahreshälfte vermutlich um bis zu 5,7 Prozent zurück. Gleichzeitig gehen die BNB und die Planungsstelle davon aus, dass das Realeinkommen der Verbraucher nicht einbricht. Sobald die Geschäfte wieder geöffnet sind, darf von einem Boom im dritten Quartal des Jahres ausgegangen werden.

Mechanismen der belgischen Wirtschaft noch unversehrt

Auch nach der Pandemie werden öffentliche Hilfen weiterhin für Betriebe und Branchen erforderlich sein. „Diese sind ausschlaggebend, um zu verhindern, dass sich eine strukturelle Arbeitslosigkeit ausbreitet und die öffentlichen Finanzen ausbluten.“

Flip Franssen Nijmegen

Im besten Fall

Die vorliegenden Prognosen beruhen auf eine Dauer der Corona-Krise von etwa sieben Wochen. Die Ungewissheit angesichts reeller Risiken bleibt hoch, so die öffentlichen Wirtschaftsexperten. Würden diese Risiken und beispielsweise eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen eintreten, wären die Wirtschaftsschäden weitaus größer.