Ist die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines zu retten?

Für viele Fluggesellschaften könnte die Corona-Krise mit einer Bruchlandung enden. Weltweit bleiben die Flotten vieler Airlines am Boden und fahren Verluste in Milliardenhöhe ein. Die belgische Fluggesellschaft Brussels Airlines braucht wenigstens 200 Millionen Euro, um zu überleben. 

40 Prozent aller Flugzeuge (rund 10500 Maschinen) müssen zurzeit am Boden bleiben. Teils haben die Länder ihre Grenzen gesperrt, teils ist die Nachfrage nach Flugreisen stark gesunken. Die Fluggesellschaften sind gezwungen, zu sparen, und haben Mitarbeiter entlassen oder diese verpflichtet, unbezahlte Urlaubstage zu nehmen.

Bei Brussels Airlines wurden die 4200 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Bis zum 15. Mai sind keine Flüge mehr geplant. Die 48 Maschinen der Airline wurden auf Brussels Airport abgestellt. Viele Passagiere verlangen ihr Geld für die stornierten Flüge der letzten und kommenden Wochen zurück. Neue Buchungen gibt es so gut wie keine. Obwohl die Einnahmen ausbleiben, laufen viele Kosten weiter, darunter die Leasinggebühren für die Flugzeuge. 

Keine Reserven

Weil Brussels Airlines in den letzten Jahren eher Verluste als Gewinne eingefahren hat, steht der Fluggesellschaft das Wasser wegen der Corona-Krise bis zum Hals. Wenn die öffentliche Hand der Fluggesellschaft nicht „unter die Flügel“ greift, könnte die Airline, die zur Lufthansa-Gruppe gehört, über Kopf gehen.

Geld vom belgischen Staat für ein Unternehmen der Lufthansa?

Seit 2016 ist Brussels Airlines ein Unternehmen der Lufthansa, genau wie Swiss, Austrian und die Billig-Airline Eurowings. Als Brussels Airlines vor 12 Jahren in finanziellen Schwierigkeiten war und weder der Staat noch die Privatwirtschaft die Fluggesellschaft retten wollte, zeigte Lufthansa Interesse. Wohl beflügelte das Erbe der Sabena – eine starke und strategische Verankerung in Afrika, wo man auf Wachstum spekulierte  – dieses Interesse.

Wichtigster Kunde von Brussels Airport

Brussels Airlines ist aber nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber für 4200 Mitarbeiter und indirekt für 50000 Arbeitnehmer am Flughafen und bei den Zulieferern, sondern auch der wichtigste Kunde von Brussels Airport. Ohne Brussels Airlines droht der Flughafen in Zaventem seine internationale Position zu verspielen.

Seit Anfang des Jahres waren bei Brussels Airlines Sparmaßnahmen durchgesetzt worden mit dem Ziel, die Fluggesellschaft bis 2021-2022 in ein gesundes und gewinnbringendes Unternehmen zu verwandeln. Die finanzielle Lage wird jetzt noch durch die Auswirkungen der Krise bei der Lufthansa selbst erschwert.

Springt der belgische Staat ein?

Kurzfristig braucht Brussels Airlines einen Garantiegeber dafür, dass sie genügend Liquiditäten hat, um die nächsten Monate zu überleben. Die Erstattung der Flugtickets und die Wartung der abgestellten Maschinen kosten viel Geld. Abhängig davon, wie lange und wie einschneidend die Corona-Krise ist, werden wenigstens 200 Millionen Euro, vielleicht aber auch 300 Millionen Euro erforderlich sein.

Weil Flugreisen für den Ottonormalverbraucher wahrscheinlich nicht sofort wieder zu den Prioritäten gehören, wird das internationale Fluggeschäft nicht wieder dort starten, wo es vor dem großen Knall stand.   

Knallharte Garantien

Als Gegenleistung für eine eventuelle Finanzhilfe kanndie belgische Regierung knallharte Garantien fordern. Sie kann die Beteiligung an der SN Air Holding und einen Sitz im Verwaltungsrat in Betracht ziehen. Der Staat hätte dann erneut ein Mitspracherecht bei strategischen Entscheidungen wie Beschäftigung, soziale Bedingungen, Flotte und Klima-Auflagen. Belgien könnte sogar bei der Lufthansagruppe einsteigen, meint Riad Bahri, Luftfahrtexperte beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber dieser Schachzug hätte diplomatische Auswirkungen.