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Nach harscher Kritik kommt ein Notplan für die Seniorenheime in Flandern

Vermutlich über 600 Tote infolge einer Corona-Virusinfektion und harsche Kritik an den zuständigen Behörden haben den flämischen Minister Wouter Beke (CD&V) am Mittwoch veranlasst, einen Notplan zu erarbeiten und eine Taskforce einzusetzen. Altenpfleger und Mitarbeiter der Seniorenheime werden ab sofort von medizinischen Fachkräften unterstützt. Außerdem fordert Beke die Krankenhäuser auf, den Seniorenheimen zu helfen, um den drohenden oder bereits akuten Sauerstoffmangel bei der Palliativpflege zu beheben. 

Seit dem Ausbruch der Epidemie soll das Corona-Virus in mehr als der Hälfte der 800 Wohn- und Pflegeheime für Senioren in Flandern aufgetaucht sein. Die Verantwortlichen hatten Alarm geschlagen und seit Tagen mehr Test-Kits, Schutzkleidung und Unterstützung für das Personal gefordert. Der Landesregierung und insbesondere dem zuständigen Minister für Gemeinwohl Wouter Beke wurde vorgeworfen, zu spät eingegriffen und schlecht kommuniziert zu haben.

Notplan und Taskforce für die Wohn- und Pflegeheime

Diese Kritik konterte der Minister am Mittwoch mit einem Notplan in zehn Punkten und einer Taskforce. Im Landesparlament stellte er die neuen Maßnahmen vor, u. a.

-        Aufrechterhaltung des Lockdowns, jedoch mit Anpassungen für den Abschied von verstorbenen Angehörigen

-        Unterstützung durch Infektionsspezialisten bei einem Ausbruch des Virus in einem Seniorenheim

-        Personalverstärkung durch den Einsatz von medizinischen Reservekräften, Studenten und Praktikanten

-        Mehr Schutzkleidung und -material: Bestellungen von Schürzen, Brillen, Handschuhen laufen. Inländische Betriebe werden aufgefordert diese zu produzieren.

Die neue Taskforce wird von der Leiterin der flämischen Behörde für Gemeinwohl, Volksgesundheit und Familien, Karine Moykens, geleitet, die 2019 noch zur Managerin des Jahres im öffentlichen Dienst gewählt wurde.

Koordination in einem föderalisierten Land nicht einfach

Die Vertreterin des Dachverbands der flämischen Wohn- und Pflegeheime Zorgnet-Icura, Margot Cloet, reagierte positiv auf den Notplan. Sie bestätigte, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verwaltungen auf Landes- und Bundesebene nicht einfach sei. Für die Seniorenpolitik sind die Länder zuständig. Für die Beschaffung von Test-Kits und Schutzmaterial aber der Bund. 

Krankenhäuser müssen den Seniorenheimen Sauerstoffgeräte geben

Weil viele Bewohner an der Lungenkrankheit leiden und auch sterben, sind die Seniorenheime mehr und mehr auf Sauerstoffgeräte angewiesen. Sauerstoff hilft bei der Palliativpflege und ermöglicht ein würdiges Sterben. Beim Ausbruch der Epidemie hatten die Seniorenheime ihre Sauerstoffgeräte an die Krankenhäuser abgegeben.

Minister Beke fordert nun umgekehrte Solidarität: „In meinen Notplan werden die Krankenhäuser ausdrücklich gebeten, den Wohn- und Pflegeheimen mit Personal und medizinischem Material zu helfen. Das ist auch im Interesse der Krankenhäuser selbst: Je besser wir die Situation in den Wohn- und Pflegeheimen kontrollieren, desto weniger Menschen müssen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.“