Beginn des belgischen Sommerschlussverkaufs wird auf den 1. August verschoben

Der Sommerschlussverkauf beginnt dieses Jahr wegen der Coronakrise nicht wie üblich am 1. Juli, sondern erst am 1. August. Das bestätigte Bundesbeschäftigungsministerin Nathalie Muylle im Morgenmagazin auf Radio 1 (VRT). Die Entscheidung wurde nach Rücksprache mit Denis Ducarme getroffen, der als Minister für den Mittelstand zuständig ist. Wegen der Corona-Krise hatten mehr als 90 belgische Bekleidungshändler in einem offenen Brief um einen Aufschub des Sommerschlussverkaufs gebeten, damit sie nach dem Ende der Krise ihre Kollektionen erst noch mit voller Gewinnspanne und ohne unlauteren Wettbewerb verkaufen können. Einige große Bekleidungshäuser waren mit dem Vorschlag aber nicht eiverstanden. „Es war keine leichte Entscheidung, aber die Forderung nach Klarheit war groß", sagte Muylle.

Der Juli ist in Belgien traditionell der Schnäppchenmonat, aber in diesem Jahr müssen die Schnäppchenjäger wegen Corona ausnahmsweise bis August warten. Erst ab dem 1. August dürfen Bekleidungs- und Schuhgeschäfte ihr Angebot verbilligen. Die Sperrfrist von einem Monat, während der keine Rabattverkäufe stattfinden dürfen, verschiebt sich ebenfalls von Juni auf Juli. Der Beschluss muss noch in der Samstagssitzung der Bundesregierung gebilligt werden, aber das ist nur noch eine Formalität.

Ministerin Muylle: "Es war keine leichte Entscheidung. Einige baten uns, eine Weile zu warten, um zu sehen, was die Wiedereröffnung der Läden nach der Krise bringen würde. Aber vor allem war die Forderung nach Klarheit und einer schnellen Entscheidung sehr deutlich".

Laut Muylle gab es viele Fragen, vor allem von den belgischen Herstellern und Branchenvertretern: "Winterkollektionen müssen gekauft und gelagert werden. Die Händler müssen Geld ausgeben um ihre Lieferanten zu bezahlen und wissen nicht, was mit ihren noch unverkauften Lagerbeständen geschehen wird". Jetzt, da Klarheit über den Start des Sommerschlussverkaufs herrscht, können die Händler ihre Entscheidungen leichter treffe. Die belgische Mode- und Bekleidungsbranche wird von der Coronakrise hart getroffen. Die Epidemie brach aus, bevor der Verkauf der Sommerbekleidung wirklich beginnen konnte. Der Online-Verkauf kann die Verluste der Läden bisher noch nicht ausgleichen.

Kleinere Boutiquen große Befürworter

Die Verschiebung des Sommerschlussverkaufs erfolgt auf Wunsch vieler betroffener Händler. Vergangene Woche hatten Mimi Lamote, Geschäftsführerin der Marke Mayerline, und Peter Perquy, CEO von Terre Bleu, Gigue und Zilton, einen offenen Brief veröffentlicht, der von mehr als 90 belgischen Vertretern der Mode- und Bekleidungsbranche mitgetragen wurden. "Wenn wir unsere Branche vor dem Zusammenbruch retten wollen, müssen wir die derzeitige Sommerschlussverkaufsgesetzgebung jetzt ändern", hieß es in dem Schreiben. Sie alle sprachen sich für eine Verschiebung des Sommerschlussverkaufs um mindestens einen Monat aus.

Aufgrund der Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus hängen die eingelagerten Kollektionen seit einem Monat unangetastet in den geschlossenen Bekleidungsgeschäften. Eine Verschiebung des Sommerschlussverkaufs soll sicherstellen, dass die Boutiquen mit ihrer Sommerkollektion noch ein angemessenes Einkommen mit voller Gewinnspanne erwirtschaften können.

Die Verlegung der Sperrfrist auf Juli dürfte wiederum dafür sorgen, dass die Geschäfte nicht plötzlich anfangen, miteinander zu konkurrieren. Dies könnten sonst vor allem große, internationale Ladenketten in Versuchung bringen, da sie in der Regel über eine größere finanzielle Reserve verfügen und daher schon zu einem früheren Zeitpunkt Rabatte anbieten können.

Die großen Bekleidungshäuser sind sich nicht einig

Comeos, der Handelsverband, der große Ketten vertritt, ist gegen die Verschiebung des Sommerschlussverkaufs. "Das liegt daran, dass Comeos eher von internationalen Unternehmen dominiert wird", erklärte Michiel Delfosse, CEO der Bekleidungskette Bel&Bo im Radiomorgenmagazin der VRT. „Sie wollen nicht, dass in unseren Nachbarländern schon Rabatte gewährt werden, und in Belgien nicht. Das halten sie für kontraproduktiv. Aber diese internationalen Unternehmen leiten ihre Gewinne in der Regel ins Ausland um und zahlen wenig Steuern in Belgien.“

Deshalb ist Bel&Bo mit der Entscheidung, den Sommerschlussverkauf auf August zu verschieben, einverstanden: „Wir sind mit der Entscheidung sehr zufrieden. Wir mögen ein großer Spieler sein, aber wir sind auch ein lokaler belgischer Spieler“, sagte Delfosse. "Es ist besser für uns und für alle, dass wir wirklich vor Ort handeln. Und dass sowohl der Kunde als auch die lokalen Unternehmen ihren Teil dazu beitragen, dass die belgische Corona-Rechnung bezahlt werden kann".

Aber auch einige große belgische Ketten, wie ZEB und Torfs, haben Schwierigkeiten damit, den Sommerschlussverkauf zu verschieben. Luc Van Mol von der Bekleidungskette ZEB drückte seinen Unmut schon vor einigen Tagen aus: "Heute liegen nur noch langärmelige Pullover in den Regalen und die sind inzwischen wertlos. Ich möchte diese Pullover sofort mit einem Rabatt loszuwerden, um eine neue Kollektion kaufen zu können". Van Mol befürchtet auch, dass die Verschiebung ein großes Geschenk für ausländische Webshops sein wird, die bereits jetzt Rabatte gewähren können. 

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