Polizeigewerkschaft kritisiert Äußerungen des Brüsseler Staatssekretärs zum Tod des jungen Adil

Die Polizeigewerkschaft reagierte verärgert auf Äußerungen des Brüsseler Staatssekretärs Pascal Smet (one.brussels-sp.a.), der am Sonntag die Rolle der Polizei beim Tod eines 19-Jährigen Anderlechter während einer Verfolgungsjagd in Frage stellte. Die Gewerkschaft wirft Pascal Smet vor, das Vorgehen der Polizei beurteilt zu haben, ohne zu wissen, was in bestimmten Bezirken der Hauptstadt vor sich ginge.

"Wäre es nicht besser, sich eines Kommentars zu enthalten? Seit mehr als 20 Jahren befinden sich bestimmte Gebiete Brüssels in der Hand von Jugendbanden, und mit Ihrer Kritik an der Polizei geben Sie ihnen Recht. (...) Sie täten besser daran, die Polizei der Region Brüssel-Hauptstadt zu verteidigen, die ihre tägliche Arbeit erledigt, um die Maßnahmen gegen das Coronavirus durchzusetzen. Eine Krise, die bereits 3.600 Menschenleben gefordert hat", lautet die Kritik.

Der Brüsseler Staatssekretär Pascal Smet (one.brussels-sp.a.) stellte am Sonntag mit einem Post auf seiner Facebook-Seite öffentlich Fragen zu der polizeilichen Verfolgung, die zum Tod eines 19-jährigen Anderlechter Jungen führte. Der junge Mann, der auf einem Motorroller fuhr, wurde am Freitagabend gegen 21 Uhr von der Polizei verfolgt und starb, nachdem er einen anderen Streifenwagen gerammt hatte. Der Vorfall führte am Wochenende zu Unruhen in der Brüsseler Gemeinde Anderlecht. Laut Smet deuteten diese Ausschreitungen darauf hin, dass in Anderlecht ein anderer Ansatz erforderlich sei. Sein Kommentar wurde von der Polizeigewerkschaft kritisiert.

"Adil, ich glaube, ich habe ihn noch nie getroffen. Doch diejenigen, die ihn gekannt haben, sagen, dass er ein freundlicher und hilfsbereiter junger Mann war, jetzt ist er seiner Zukunft beraubt. Nicht wegen des Coronavirus, sondern als Folge einer schiefgelaufenen Polizeikontrolle. Dazu gibt es sicherlich Fragen, die man sich stellen muss. Warum ist er vor der Polizeikontrolle weggelaufen? War das wirklich die oberste Priorität an diesem Abend? War es nicht möglich, einen anderen Ansatz zu finden? Hätte nicht jemand am nächsten Tag zu ihm nach Hause kommen und ihn an seine Verantwortung erinnern können? Aber bei all ihren Ermahnungen zur Nähe haben sie vielleicht seinen Namen nicht gekannt. Dies sind Fragen, auf die die Polizei selbst und das Justizsystem echte Antworten geben müssen. Nicht wir", so Pascal Smet auf seiner Facebook-Seite.

 Auch Smet verurteilt die Ausschreitungen, weist jedoch darauf hin, dass dies nicht das erste Mal sei, dass in Anderlecht Unruhen ausbrächen.

"Und wenn Dutzende von jungen Leuten anfangen, die Polizei anzugreifen, dann deshalb, weil es etwas Ernstes ist. Ein Vertrauensbruch, Missachtung, Missverständnis und offener Hass. Auf beiden Seiten. Denn das ist die Situation in Cureghem. Kämpferisch. Sind diese Unruhen für einige nicht wie ein Ruf, ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Können wir diesen Teufelskreis nicht durchbrechen?", fragt er sich.

"Wenn die Coronavirus-Episode vorbei ist, müssen Anderlecht, aber auch die anderen Gemeinden und die Region, eine echte Selbstprüfung vornehmen und sich die Frage stellen: Was werden wir konkret tun? Die einzige Antwort ist: Struktur, Nähe (die Beamte des Viertels kennen ihr Viertel und die Bewohner), ergebnisorientiertes Funktionieren und vor allem permanenter Dialog, Partizipation und Hoffnung geben sowie Menschen mit Würde berücksichtigen", so Pascal Smet auch noch.

Sozialistische Gewerkschaft will Entschuldigung vom Staatssekretär

Die sozialistische Gewerkschaft fordert, den Brüsseler Staatssekretär Pascal Smet auf, sich für die Äußerungen zur Verfolgungsjagd vom Freitag und denen zu den Unruhen vom vergangenen Wochenende in Anderlecht zu entschuldigen. Die Gewerkschaft reagierte mit "Entrüstung und Unverständnis" auf die von Smet auf seiner Facebook-Seite gepostete Botschaft.

Wie die liberale Gewerkschaft ist auch die sozialistische Gewerkschaft ACOD LRB Politie unzufrieden mit den Aussagen von Pascal Smet. "Was auch immer man liest, man kann nur interpretieren, dass nach Ansicht des Staatssekretärs die Polizei für Adils Tod verantwortlich ist", sagte der Delegierte Luc Breugelmans. Seiner Meinung nach habe die Polizei ihre Arbeit getan, und Smet schulde ihnen Respekt.

"Die Polizei hat es nicht verdient, dass der Staatssekretär ihr den Tod des jungen Mannes anhängen will", sagte er. Ihm zufolge gebe die Äußerung von Pascal Smet den Randalierern die Bestätigung, dass der Polizeieinsatz nicht korrekt gewesen sei. "Sehr geehrter Herr Staatssekretär, das Vernünftigste, was Sie tun können, ist, sich bei der Polizei zu entschuldigen. Aber Sie sollten sich auch bei Adils Familie entschuldigen, deren Tod Sie benutzen, um die Polizei durch den Dreck zu ziehen", fügte er hinzu.