Andreas Kockartz

Neuer Beförderungsplan der belgischen Bahn und weniger Fracht für den Schienengüterverkehr

Die belgische Bundesregierung hat dem neuen Beförderungsplan der nationalen Bahngesellschaft NMBS/SNCB für den Zeitraum 2020-2023 zugestimmt. Nach Abgaben von Bundesverkehrsminister François Bellot (MR) sieht dieser Plan 25 neue Projekte und ein Anstieg des Angebots des Fahrgastverkehrs um 4,7 % vor. Bahnchefin Sophie Dutordoir befürchtet allerdings, dass die Coronakrise dafür sorgen könnte, dass einige Projekte nicht wie geplant umgesetzt werden können. Indessen schlagen die Schienengüter-Verkehrsunternehmen, die in Belgien aktiv sind, Alarm, denn ihnen besorgt diese Krise erhebliches Kopfzerbrechen. 

Schon Ende 2019 erteilte der Verwaltungsrat der NMBS dem Projekt für den neuen Beförderungsplan 2020-2023 grünes Licht. Dieser Plan sieht die Umsetzung von 25 neuen Projekten, die nach und nach in Angriff genommen werden sollen. Um welche Projekte es sich dabei genau handelt, gaben weder das belgische Verkehrsministerium, noch die Bahngesellschaft bekannt. Die Fachpresse allerdings weiß da mehr.

Nach einer Meldung in der aktuellen Ausgabe der Eisenbahnzeitschrift „Op de baan“/„En Lignes“ werden noch dieses Jahr u.a. ein drittes und viertes Gleis zwischen Brüssel und Denderleeuw (Prov. Ostflandern) in Betrieb genommen, wird im Brüsseler Ortsteil Anderlecht im Dezember ein neuer Haltepunkt eröffnet und wird die Elektrifizierung der Bahnlinie Mol (Prov. Antwerpen)-Hamont (Prov. Limburg) abgerundet. 2022 soll zudem der neue multimodale Teil des Bahnhofs von Fleurus (Prov. Hennegau) in Betrieb genommen.

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Andreas Kockartz

Sicher ist auf jeden Fall, dass die belgische Bahn ihr Fahrgastangebot in den kommenden vier Jahren um 4,7 % anheben will und dies in jährlichen Phasen (jeweils im Dezember 2020, 2021 und 2022) bzw. im Rahmen der vorgesehenen Infrastrukturarbeiten. Doch angesichts der Coronakrise, die auch die Bahn trifft (sie verliert Millionen an Einnahmen, weil derzeit kaum jemand den Zug nimmt - täglich rund 90.000 Fahrgäste statt 900.000 wir zu normalen Zeiten), bleibt Bahnchefin Dutordoir zurückhaltend:

„Ich denke, dass wir heute alle von Tag zu Tag leben und realistisch sein sollten. Jeden Fall bleibt unsere Ambition, dass die Bahn bleibend eine wichtige Rolle spielen wird, sowohl für die Wirtschaft, als auch für das soziale Belgien. Wir stehen in jedem möglichen Szenario bereit, doch alles hängt von der Situation ab, in der sich das Land zu gegebenem Zeitpunkt befindet.“ 

Coronakrise: Güterverkehr in Belgien um 20 % gesunken. Der Sektor schlägt Alarm

„Wir sehen momentan einen Rückgang um 20 % in der Nachfrage am Markt, weil ein Teil unserer Kunden seine Produktion stoppen musste“, sagt Paul Hegge, der Sprecher des belgischen Verbandes der Güterbahnunternehmen „Belgian Rail Freight Forum“. Der Güterverkehr auf der Schiene sei hierzulande ein sehr kompetitiver Sektor mit einer eher kleinen Marge, doch „ein Rückgang um 20 % lässt und die Alarmglocken läuten.“ Hinzu komme noch die Tatsache, dass es zu besonderen logistischen Herausforderungen komme, da ein Teil der Länder, in die Züge aus Belgien fahren, in Sachen Corona strenge Maßnahmen erlassen haben, deren Umsetzung „uns viel Geld kostet“.

Raphaël de Visser, Sprecher von Lineas, das ist die Frachtabteilung der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB (derzeit der größte Güterbahnanbieter in Europa), ergänzt dazu, dass trotz der herrschenden Umstände weiterhin viele Güterzüge unterwegs seien: „Die Bahn ist als strategischer Sektor gerade jetzt wichtig, um essentielle Güter, wie Lebensmittel oder medizinische Produkte, zwischen Unternehmen und den Verbrauchern zu transportieren. (…) Derzeit ist die Bahn buchstäblich das Rückgrat des Transports in Europa. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst, doch die Herausforderung ist groß.“

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Güterzug aus Belgien durchfährt den Bahnhof von Maastricht (NL)
Andreas Kockartz

„Belgian Rail Freight Forum“ erinnert daran, dass es neben der Coronakrise derzeit viele kostenintensive Probleme gebe unter denen die hier angeschlossenen Bahnunternehmen zu leiden haben: die anhaltenden Bahnstreiks in Frankreich, mehrere Infrastrukturbaustellen auf dem belgischen Schienennetz, die es kostenintensiv und weiträumig zu umfahren gilt, die Schäden, die die Stürme in den vergangenen Monaten auch an der hiesigen Bahninfrastruktur angerichtet haben und anderes mehr.

Und nicht zuletzt verlange auch die Reaktion auf den Klimawandel einiges von den Bahnunternehmen, die sich dazu bereiterklärt haben, ihr Transportvolumen zu erhöhen. In Belgien betrifft dies eine Anhebung des Marktanteils von derzeit 10 % am Güterverkehr auf 16 %, wobei diese Anstiege in anderen EU-Ländern, die die hier aktiven Güterbahnanbieter anfahren, teilweise höher liegen.

„Belgian Rail Freight Forum“-Sprecher Paul Hegge: „Dies ist der einzige Weg, unsere Klimaziele zu erreichen. Es ist schließlich so, dass die Eisenbahn neunmal weniger CO² ausstößt, als der Straßentransport und achtmal weniger Luftverschmutzung. Die Bahn braucht auch sechsmal weniger Energie im Vergleich zum Straßentransport.“ Die belgischen Güterbahnanbieter fordern in diesen Zusammenhängen deutlich mehr Unterstützung von der belgischen Bundesregierung und von der Europäischen Union. 

Andreas Kockartz