Flanderns MP und Landeskulturminister Jambon schraubt Einsparungen teilweise zurück

Jan Jambon (N-VA - Foto), Flanderns Ministerpräsident und Landeskulturminister in Personalunion, schraubt seine Sparmaßnahmen im Kultursektor teilweise zurück. Diese Einsparungen hatten Ende 2019 für heftige Proteste im gesamten flämischen Kultursektor geführt. Jetzt kündigte Jambon im Kulturausschuss des flämischen Landesparlaments an, dass er noch dieses Jahr im Zuge der Haushaltsanpassung 4 Mio. € für Projektzuschüsse für Organisationen und Künstler freimachen werde. Der Sektor reagiert positiv auf diese Entscheidung.

Wochenlang protestierte der flämische Kultursektor Ende des vergangenen Jahres im gesamten Bundesland gegen die harschen Einschnitte in die Projektzuschüsse für Künstler und Organisationen. Jambon wollte diese Zuschüsse 2020 um ganze 60 % kürzen. Jetzt ruderte er zurück und kündigte an, 4 Mio. € im diesjährigen Landeshaushalt freizumachen, um diese gezielt als Projektzuschüsse einsetzen zu können.

Im Kulturausschuss gab er zu verstehen, die Ankündigung der Einsparungen im vergangenen Jahr habe „keinen strategischen, sondern einen taktischen Hintergrund“. So könne er jetzt im Rahmen der Haushaltskontrolle, die oben genannten Gelder freimachen. Mit diesem Geld kann im September eine zweite vollständige Zuschussrunde finanziert werden, die dieses Mal in erster Linie individuell für Künstler vorgesehen sein wird.

Die gleichen Mittel wie 2019

Die vergangene Zuschussrunde Anfang des Jahres, die ebenfalls 4 Mio. € betrug, richtete sich an kulturelle Einrichtungen in Flandern. Damit liegt die Gesamtsumme von 8 Mio. € für kulturelle Projektzuschüsse genauso hoch, wie 2019, was bedeutet, dass die geplante 60%ige Einsparung nicht durchgeführt wird, zumindest nicht in diesem Jahr.  

Auf diesem Wege will der Ministerpräsident und Kulturminister auch die Coronakrise angehen, die den Kultursektor auch hierzulande finanziell hart trifft. Jambon kündigte im Landeskulturausschuss auch an, während der laufenden Legislaturperiode weitere „taktische Beschlüsse“ treffen zu wollen, um die Kultur zu unterstützen.

„Lichtblick in dunklen Zeiten“

Aus dem Kulturbereich kommen durchweg positive Reaktionen. Vertreter der flämischen Kulturwelt sprachen von einem „Lichtblick in dunklen Zeiten“, von denen nicht nur die Kulturschaffenden, sondern auch deren Publikum profitieren würde. Offenbar habe sich der Minister und Landeschef inzwischen in diese Materie gut eingearbeitet und er sei von einem guten Kabinett umgeben. Projektzuschüsse sind wichtig auch und gerade für neue Initiativen und für junge und angehende Kulturschaffende und Initiativen.

Aber, so die Warnung aus dem Sektor, die Coronakrise mache die Lage der Kultur nicht einfacher, zumal gerade alle Großveranstaltungen bis Ende August verboten wurden. Zahllose Künstlerinnen und Künstler, Initiativen, Veranstalter und dergleichen verlieren ohne ihre Festivals und dabei stattfindende Auftritte im Sommer quasi einen Hauptteil ihrer Eigeneinnahmen.