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In Flandern bleiben die Schulen auch nach Ostern noch zwei Wochen lang geschlossen

Im belgischen Bundesland Flandern bleiben die Schulen auch nach dem Ende der Osterferien noch zwei Wochen lang geschlossen. Das ist weder für die Schulkinder, noch für die Lehrkräfte einfach, vor allem da, wo es um praktische Fächer geht. Besonders schwierig ist dies für die Berufsschulen, für die Fernunterricht über das Internet nur schwerlich möglich ist. In diesem Bildungssektor wird denn auch gefordert, die Schulen bald wieder zu öffnen. Indessen setzen die Hochschulen und Universitäten in Flandern langfristig aus Online-Vorlesungen.

Im flämischen Berufsschulwesen wird dringend um eine Wiedereröffnung der Schulen gebeten und dies aus gleich zwei Gründen: Zum einen ist ein praktischer technischer Unterricht über Computer und Fernunterricht nur schwierig zu bewerkstelligen und zum anderen erreichen die Schulen teilweise bis zu 30 % ihrer Schüler nicht, weil diese aus teilweise finanzschwachen Familien kommen, die zu Hause z.B. keinen Internetanschluss haben. Und auch hier stehen die Abschlüsse an und so mancher Berufsschüler muss seine praktische Endarbeit abgeben. Bei Schreinern ist das oftmals ein Möbelstück, dass an einer Maschine hergestellt wird, die die Berufsschüler nur in ihrem Institut vorfinden.

Flanderns Landesbildungsminister Ben Weyts (N-VA) arbeitet schon seit dem Beginn der Corona-Epidemie an einer Wiederaufnahme des Schulbetriebs, doch der Nationale Sicherheitsrat auf belgischer Bundesebene hat dazu am Mittwoch noch nichts mitgeteilt. Überall erwartet man, dass die Bundesregierung herzu nach einer erneuten und für nächste Woche angekündigten Sitzung Stellung zu nimmt.

Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen

In erster Instanz, so Bildungsminister Weyts, müsse man schauen, ob man die Grundschulen nicht schon bald öffnen könne. Dies werde innerhalb des hiesigen Schulwesens, wo die Rede von einer schrittweisen Vorgehensweise ist, als erste Phase empfohlen. In den Kindergärten sehe es da anders aus, denn so kleinen Kindern könne man die Einhaltung der Abstandsregelungen nur schwerlich auferlegen.

In der Sekundarstufe hingegen seien die Schulkinder selbständiger und reifer. Doch hier gelte es auch auf den öffentlichen Nahverkehr und auf die Schulbusse zu achten, in denen „social distrancing“ problematischer sei und die Gefahr von Ansteckung mit dem Coronavirus berge, sagte Ben Weyts dazu gegenüber VRT NWS. 

Hochschulen und Universitäten

Indessen setzen die Hochschulen und die Universitäten in Flandern langfristig auf digitalen Unterricht. Dabei hilft ihnen ein Notdekret, dass das flämische Landesparlament in dieser Woche erlassen hat. Das ermöglicht den Instituten, das akademische Jahr zu verlängern. Normalerweise endet ein solches Jahr im September mit den „Nachprüfungen“, sprich den hier sogenannten „Zweiten Sitzungen“. Die Hochschulen in Flandern können frei entscheiden, wie sie jetzt mit der Situation umgehen. Das bedeutet z.B., dass das akademische Jahr auch mal bis Oktober oder noch später laufen kann, damit die Studierenden ihre Abschlussarbeiten oder ihre Praktika abschließen können.

Die Institute erhalten auch die Möglichkeit, Studierenden, die ihr Studium abschließen, auf Basis eines Papers und ohne Examen zu bewerten. Die Hochschulen oder Unis in Flandern, die ihren Studierenden Examen abverlangen, tun dies nicht selten über digitalem Wege oder sie organisieren Prüfungen in großen Messehallen oder Sälen.