Mehr als 4.500 Skifahrer klagen gegen Tirol: "Die Regierung hat nicht schnell genug gehandelt"

Mehr als 4.500 Personen, darunter 109 Belgier, haben sich bereits einer Klage gegen die Tiroler Landesregierung angeschlossen. Zu Beginn der Coronakrise in Europa habe sie nicht schnell genug vor der Gefahr einer Kontamination gewarnt, heißt es. Infolgedessen wären viele Skifahrer infiziert worden und hätten das Virus mit nach Hause gebracht.

Eine österreichische Verbraucherorganisation leitet die Initiative. Bereits am 24. März wurde die Klage bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eingereicht. Danach schlossen sich viele weitere Wintersportler aus 40 verschiedenen Ländern der Beschwerde an. Insgesamt sind es jetzt 4.542, die meisten von ihnen sind Deutsche. Unter den Klägern sind auch 109 Belgier.

Die Verbraucherorganisation wirft der Tiroler Landesregierung vor, nicht schnell genug vor der Gefahr einer Coronavirus-Ansteckung gewarnt und den Skibetrieb eingestellt zu haben. Darüber hinaus soll sie auch die betroffenen Gebiete nicht schnell genug abgesperrt haben. "Deshalb ist Tirol, und insbesondere Ischgl, zu einem Hotspot für die Verbreitung des Coronavirus in ganz Europa geworden", heißt es in der Anklageschrift.

Ischgl ist ein bekannter Skiort in Tirol, der jedes Jahr auch viele Belgier anzieht. Ein Barkeeper in einem Après-Ski-Club in Ischgl habe besonders viele auch internationale Gäste infiziert, bevor er Anfang März positiv getestet wurde. Erst zwei Tage nachdem der Mann positiv auf das Virus getestet wurde, musste die Après-Skibar geschlossen werden, sagt der Besitzer.

Das sei nicht schnell genug gewesen, so Peter Kolba, der Vorsitzende der Verbraucherorganisation VSV. Ihm zufolge habe die Regierung gewusst, dass sie hätte schneller handeln müssen. Bevor die Geschichte mit dem infizierten Barkeeper bekannt wurde, war bereits eine Kellnerin aus Innsbruck nach ihrer Rückkehr aus Südtirol positiv getestet worden. Man habe das Hotel, wo die Frau übernachtet hatte, danach hermetisch abgeriegelt. Alle Gäste seien getestet worden, bevor es wieder öffnen durfte. Man könne jetzt also nicht sagen, man sei sich der Gefahr nicht bewusst gewesen, denn sonst hätte man sich die Aktion in Innsbruck ja sparen können, wird Kolba in österreichischen Medien zitiert.

In den eher touristischen Skigebieten wurde jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nichts unternommen. Infolgedessen infizierten sich viele Menschen und nahmen das Virus dann mit nach Hause, heißt es bei den Staatsanwälten.

Ziel des österreichischen Verbraucherschutzes ist es, Geschädigten aus der ganzen Welt zu Schadensersatz zu verhelfen.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten