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Belgier wird Masse an Corona-Nachrichten langsam überdrüssig

Etwa 44 Prozent der Belgier sind der Meinung, dass die Medien dem Coronavirus zu viel Aufmerksamkeit schenken. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dedicated unter 1.500 Belgiern hervor. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass die Belgier im Allgemeinen viel mehr Fernsehnachrichten, Zeitungen und Nachrichtenseiten nutzen als vor dem Coronavirus.

Zwischen dem 10. und 14. April befragte das Meinungsforschungsinstitut Dedicated 1.500 Belgier im Alter zwischen 15 und 75 Jahren online zur Mediennutzung während der Coronakrise. Daraus geht hervor - und das überrascht wohl kaum -, dass die Belgier die Nachrichten während der Ausgangsbeschränkungen massenhaft verfolgen. Zwei von drei Belgiern geben an, alle Arten von Nachrichtenmedien öfter oder sogar viel öfter als vor dem Ausbruch des Coronavirus zu konsultieren. Das Fernsehen ist für fast jeden Zweiten das wichtigste Medium, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten.

Auch die Zeitungen ziehen seit Beginn des Coronalockdown mehr Leser an. Dies gilt insbesondere für Online-Ausgaben: Knapp die Hälfte der Belgier gibt an, mehr Online-Zeitungen zu lesen, 18 Prozent konsultiert auch häufiger Zeitungen aus Papier. Die Hälfte der befragten Belgier gibt an, dass sie häufiger Nachrichten-Webseiten besuchen.

Magazine schneiden im Vergleich dazu weniger gut ab: 16 Prozent der Befragten surft häufiger zu Online-Magazinen, 10 Prozent nimmt öfter ein Papiermagazin in die Hand. Junge Menschen nutzen wiederum vermehrt soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram, um den Nachrichten zu folgen: 59 Prozent der Jugendlichen gibt dies an, im Vergleich zu etwa 33 Prozent des belgischen Durchschnitts. Dies geht jedoch nicht zu Lasten der traditionellen Medien: Junge Menschen geben eine ähnliche Konsumzunahme von Fernsehnachrichten, Zeitungen und Nachrichtenseiten an wie  Belgier in anderen Alterskategorien.

Die Belgier verfolgen die Medien daher häufiger, und mehr als 8 von 10 sagen, dass sie mit der Qualität der Berichterstattung zufrieden sind, aber 44 Prozent kritisiert, dass die Medien dem Coronavirus und der Quarantäne zu viel Aufmerksamkeit schenkten. In Wallonien und Brüssel ist dies sogar bei mehr als der Hälfte der Befragten der Fall, in Flandern bei mehr als einem Drittel.

Zwei von drei Belgiern wünschen sich mehr Informationen über Gesundheit und Wohlbefinden sowie Wirtschaft und Beschäftigung, die Hälfte möchte mehr über Umwelt und Klima lesen und sehen und etwa ein Viertel möchte mehr über Urlaub und Reisen wissen. Auch die belgische Politik und europäische Themen sind derzeit für etwa ein Drittel der Befragten unterrepräsentiert.