Soll das Schuljahr in Flandern etwas länger dauern?

Flanderns Landesbildungsminister Ben Weyts (N-VA - Foto) sucht nach Lösungen für den Abschluss des Schuljahres 2019-2020, dass durch die Coronakrise in diesen Tagen gehörig durcheinandergebracht wird. So stellen sich die Fragen, ob das Schuljahr etwas länger dauern soll oder ob nach diesen Osterferien neue Themen und neue Lernbereiche aufgenommen werden, auch wenn weiter zu Hause gelernt werden muss? 

Die Idee von Bildungsminister Weyts, das Schuljahr eventuell etwas länger laufen zu lassen, stößt sowohl auf Ablehnung, als auch auf Zustimmung. Die Gewerkschaften lehnen eine Verlängerung des laufenden Schuljahres bis Ende Juni bzw. bis in die erste Juliwoche hinein, rundweg ab. Die Schulträger in Flandern, sowohl die öffentlichen Schulträger auf kommunaler, provinzialer und regionaler Ebene sind eher dafür. Laut Weyts soll die Entscheidung aber letztendlich den selbst Schulen vorbehalten sein.

Viele Lehrer in Flandern jedoch sind der Ansicht, dass dies nicht unbedingt notwendig sei, denn man habe teilweise sogar während der Osterferien Kontakt mit den Schulkindern gehabt und mit diesen punktuell gelernt. Und man habe während der Ferien einiges zum Abschluss des Schuljahres von Lehrerseite her vorbereitet.

Wie die Schulkinder selbst dazu stehen, ist unterschiedlich. Die einen sagen, dass man nicht zu früh wieder in die Schule gehen soll, um nicht krank zu werden oder um niemanden anderen mit dem Coronavirus anzustecken. Andere Kinder und Jugendliche wollen natürlich endlich Ferien haben und aus dem Alltag mit Lernen zu Hause endlich rauszukommen. Auch auf praktischer Ebene ist noch einiges unklar, wie z.B. die Frage, wie man in den Schulgebäuden und in den Klassen den sozialen Abstand gewährleisten solle. 

Neuer Lehrstoff und die Frage der Abschlüsse

Bildungsminister Weyts hatte in einem Interview mit der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad eine Debatte darüber ausgelöst, ob man nicht in aller Konsequenz tatsächlich bis vielleicht sogar über den 30. Juni hinaus Unterricht anbieten könnte. Zumindest aber könnten in dieser Zeit Klassenräte und Abschlussbesprechungen bzw. Schülerbewertungen stattfinden.

Die Schulen bleiben mindestens 5 Wochen geschlossen, wenn der Sicherheitsrat dies nicht noch einmal im Rahmen seines nächsten Treffens am Ende dieser Woche verlängert. Das bedeutet, dass mindestens 10 % der regulären Schultage verloren gehen. Jetzt, so Weyts, käme es doch darauf an, so viel wie möglich zu unterrichten.

Der flämische Bildungsminister empfiehlt auch, nach diesen Osterferien, den Schulkindern neuen Leerstoff zu bieten, auch wenn die Schulen noch nicht wieder öffnen. Dem pflichten Pädagogen bei, die auch der Ansicht sind, dass dieses Schuljahr, auf welche Weise auch immer, regulär abgeschlossen werden müsse. Das betrifft zum Beispiel die Abschlüsse: Grundschule, Mittelschule, Abitur, Berufsschulabschluss. Doch hier besteht noch Handlungsbedarf auf flämischer Landesebene.