Traditionsverein Sporting Lokeren ist pleite und verschwindet von der professionellen Fußballbühne

Die Verantwortlichen bei Sporting Lokeren, ein Verein, der zuletzt in der Liga 1B in Belgien gespielt hat, konnten die seit geraumer Zeit drohende Pleite nicht verhindern. Ein Handelsgericht erklärte den Club am Montag für bankrott. Ein enormer Schuldenberg und seit Monaten nicht mehr gezahlte Gehälter und Rechnungen machten dem Verein jetzt den Garaus.

Erst vor rund 10 Monaten hatte der Spielermakler Louis de Vries den Vorsitz über Sporting Lokeren vom langjährigen Präsidenten Roger Lambrecht übernommen und schon im Juni 2019 hatte er den Verein als Ganzes geschäftlich von diesem hoch betagten „Übervater“ übernommen, doch jetzt war die sich schon seit 2018 andeutende Pleite nicht mehr abzuwenden. De Vries hatte lange nach einem Investor oder Übernahmekandidaten gesucht, doch zuletzt noch sprang eine chinesische Gruppe ab.

Riesiger Schuldenberg

Zum einen drückt seit Jahren ein Schuldenberg auf den Club: 4,5 Mio. € „normale“ Schulden und 3,5 Mio. € Schulden gegenüber Alt-Präsident Lambrecht. Aufgrund dieses Schuldenberg hatte die belgische Sportjustiz für Sporting Lokeren schon ein Transferverbot erlassen. Und zum anderen blieb zuletzt der sportliche Erfolg aus. Seit dem Saisonstart gelang Sporting nichts und als vor einigen Wochen beschlossen wurde, die belgischen Meisterschaften aufgrund von Covid-19 mit Stand der Dinge zu beenden, stand der Verein auf dem letzten Platz in der Liga 1B (vergleichbar mit der 2. Bundesliga in Deutschland).

Knapp den 50. Vereinsgeburtstag verpasst

Jetzt, nur kurz vor dem 50. Geburtstag der Mannschaft mit der Stammnummer 282, blickt der Traditionsverein in eine dunkle Zukunft. Die einzige vage Hoffnung bietet jetzt eine Fusion mit dem Nachbarverein WM Hamme und ein Neubeginn in der 3. Amateurliga. Das wäre zumindest der Rettungsanker für die erfolgreiche und hochangesehene Jugendarbeit von Sporting Lokeren.

Sporting Lokeren entstand am 22. Juni 1970 aus der Fusion von Standard und von Racing Lokeren. 2012 und 2014 gewann Lokeren den belgischen Pokal und trat auch im europäischen Fußball mal an, wo der Club aber stets früh ausscheiden musste. 1994 stieg Lokeren nach 20 Jahren in die 2. Liga ab, um zwei Jahre später wieder aufzusteigen. 2019 ging es wieder eine Stufe runter in die Liga 1B und damit kam zunächst das sportliche und später das definitive geschäftliche Ende.

Nicht nur bei Sporting Lokeren liegt einiges im Argen

Lokeren erhielt zuletzt auch keine Lizenz mehr, wegen der finanziellen Spannungen. Inzwischen droht aus dem gleichen Grund auch KV Ostende das Ende und sogar Standard Lüttich wurde aufgrund von finanziellen Undeutlichkeiten zunächst die Lizenz für die Saison 2020-2021 verwehrt.

Und zwischen Ostende und dem RSC Anderlecht gibt es ebenfalls Probleme, denn Ostendes Ex-Besitzer, der Pharmamilliardär Marc Coucke, dem der RSC heute gehört, hat noch stets geschäftliche Verbindungen mit seinem alten Verein. Ihm gehört über Subunternehmen und Beteiligungen ein Teil der erst kürzlich fertiggestellten Tribüne von KV Ostende und das ist sportjuristisch unzulässig. Neben dem frühen Saisonende, das mit der UEFA nicht abgesprochen war, liegt also einiges noch im Argen im belgischen Profifußball… 

Roger Lambrecht
Louis de Vries
James Arthur Photography
Die Fans hofften bis zuletzt...