Coronakrise: Flämischer Arbeitgeberverband erwartet "wirtschaftliches Blutbad"

Flanderns Wirtschaftsverband Voka bittet die belgische Bundesregierung eindringlich darum, so schnell wie möglich eine Exit-Strategie zu entwickeln, damit die Wirtschaft wieder anlaufen kann. Inzwischen lässt eine Umfrage von Voka erwarten, dass jeder 5. Arbeitgeber in Flandern in Erwägung zu ziehen, Personal zu entlassen.

„Unsere Unternehmen und deren Personal sind voll und ganz vorbereitet. Lasst und bitte wieder neustarten.“ Mit dieser Botschaft an die belgische Bundesregierung wartete Voka-CEO Hans Maertens am Mittwochmorgen im VRT-Frühprogramm bei Radio 1 auf.

Diese Botschaft lässt an Deutlichkeit nichts vermissen: „Kommuniziert bitte dieses Mal deutlich und lasst alle Unternehmen wieder öffnen, die die Sicherheit für ihre Kunden und ihr Personal garantieren können. Wartet hiermit nicht zu lange, wenn je länger das dauert, desto stärkerer blutet die Wirtschaft und desto mehr Beschäftigte rutschen aus der Kurzarbeit in die finale Arbeitslosigkeit ab.“

Je länger das dauert, desto stärkerer blutet die Wirtschaft und desto mehr Beschäftigte rutschen aus der Kurzarbeit in die finale Arbeitslosigkeit ab.“

Hans Maertens von flämischen Arbeitgeberverband Voka

Dies muss nicht zuletzt nach einer Umfrage befürchtet werden, die der flämische Arbeitgeberverband bei 1.000 seiner Mitglieder durchführte. Demnach befürchtet jeder 5. Unternehmer im Land, in den kommenden Monaten Personal entlassen zu müssen.

Etwa jedes 4. Unternehmen ist sich nicht sicher, ob es zu einem solchen Schritt kommen muss. Voka-CEO Maertens warnt vor einem langen wirtschaftlichen Lockdown und vor dem Blutbad, das dadurch droht: „Ein Neustart ist dringend notwendig!“

Lasst und bitte unser Ding machen, lasst uns Geschäfte machen. Wir haben schon bewiesen, dass wir das sicher machen können.“

Hans Maertens von flämischen Arbeitgeberverband Voka

85 % der von Voka zur Coronakrise befragten Unternehmen im belgischen Bundesland Flandern gehen davon aus, auf ein erneutes Anlaufen von Handel und Wirtschaft vorbereitet zu sein. Diese Unternehmen geben an, allen Sicherheitsbestimmungen, die im Coronamaßnahmenpaket der Regierung verankert sind, entsprechen zu können. Nur 4 % der flämischen Unternehmen gibt derzeit an, auf einen Neustart nicht vorbereitet zu sein.

„Wir müssen zwischen Wirtschaft und Gesundheit ein Gleichgewicht finden. Die Politik muss dazu die Richtlinien geben, doch dazu muss sie den Leuten auf dem Terrain das Vertrauen schenken. Wir haben in den letzten Wochen bewiesen, dass wir sicher arbeiten können. Lasst und bitte unser Ding machen, lasst uns Geschäfte machen. Wir haben schon bewiesen, dass wir das sicher machen können“, so Hans Maertens.

Der Einzel- und Fachhandel fühlt sich benachteiligt

Inzwischen beklagt der Einzelhandel in Belgien die unklaren Richtlinien, nach denen Geschäfte geöffnet werden dürfen, bzw. geschlossen bleiben müssen. Farbengeschäfte fühlen sich ungerecht behandelt, weil ihre kleinen mittelständischen Einzelhandelsunternehmen nicht öffnen dürfen, während die Baumärkte, zumeist nationale oder internationale Ketten öffnen durften und teilweise die gleichen Artikel verkaufen, wie die kleineren Läden.

Der Einzelhandelsverband Comeos fordert eine solche Gleichbehandlung im Allgemeinen. Hier hieß es dazu, dass die Politik bei einer Lockerung der Coronamaßnahmen nicht zwischen den einzelnen Sektoren unterscheiden dürfe. Und diese Lockerung von der Größe eines Geschäftes abhängig zu machen, sei ebenfalls wettbewerbsverzerrend. Der Non-Food-Sektor in Belgien hat seit Beginn der Lockdown-Maßen Mitte März bereits Verluste von rund 140 Mio. € hinnehmen müssen. Hier wird eine Pleitewelle erwartet, wie auch Voka befürchtet. 

Nationaler Sicherheitsrat

Am Freitag trifft sich der erweiterte Nationale Sicherheitsrat aus Vertretern der Bundesregierung, den Ministerpräsidenten aus Ländern und Regionen sowie dem Corona-Krisenteam zu einer neuen Sitzung, bei der über genaue Eckdaten zu einer Exit-Strategie und zu den Massenveranstaltungsverboten, die bis Ende August gelten, befunden werden soll.