Expertenbericht vorab nach außen gelangt: Lockerungen der Coronamaßnahmen schon ab dem 4. Mai?

Wenn sich der erweiterte Nationale Sicherheitsrat am Freitag mit den Coronamaßnahmen befassen wird, beruft er sich unter anderem auf den aktuellen Bericht der sogenannten „GEES-Arbeitsgruppe“. Diese Expertengruppe zur Exit-Strategie besteht aus Medizinern und Juristen sowie aus Vertretern der Wirtschaft und der sozialen Ebene. Jetzt aber ist dieser Bericht vorzeitig an die Öffentlichkeit geraten und die Mitglieder der „GEES-Gruppe“ sind sauer und raten der Bevölkerung, dass sie auf die genaue Kommunikation des Sicherheitsrats am Freitag warten soll. 

Die frankophonen Medien Le Soir und RTBF hatten vorab Einblick in den Berichtsentwurf der „GEES-Arbeitsgruppe“ und meldeten dies am Mittwochvormittag. Laut diesem Bericht könnte es ab dem 4. Mai zu einer schrittweisen Lockerung der Coronamaßnahmen kommen, doch nur dort, wo das sogenannte „social distancing“ umgesetzt werden kann, also der Abstand von 1,5 Metern zwischen zwei Personen.

Das könnten bestimmte Geschäfte sein, z.B. KFZ-Werkstätten oder Fahrradläden. Zudem wird an eine Lockerung der Besuchseinschränkungen gedacht. Demnach könnten Familienbesuche und Besuche von Freunden mit einer Maximalzahl von 10 Personen möglich werden.

Den Unternehmen wird empfohlen, weiterhin so weit wie möglich auf Homeoffice zurückzugreifen, auch wenn die Maßnahmen nach und gelockert werden. Ein weiterer aus dem Bericht zu entnehmender Stichtag ist der 18. Mai. Dann könnten die Schulen teilweise wieder öffnen und zwar für das 6. Schuljahr der Grundschule und für die Abiturjahre. Für eine schrittweise Öffnung der Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen liegen keine Daten vor.

Aber, die Angaben in diesem Bericht sind deutlich unter Vorbehalt zu betrachten und es wird dringend davon abgeraten, dies vorläufig für bare Münze zu nehmen und dahingehend irgendetwas zu planen. Am Freitag tage der Nationale Sicherheitsrat in Brüssel und dieser geben die Resultate seiner Besprechungen anschließend im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. 

Damit macht man sich über die Arbeit der Experten lustig und auch über die Arbeit eines jeden, der im Gesundheitswesen dabei hilft, diese Krise zu meistern. Trotzdem gibt es Leute, die glauben, dass sie davon auf die eine oder andere Weise etwas haben.“

Virologe Marc Van Ranst, Mitglied der „GEES-Arbeitsgruppe“

Der Virologe Marc Van Ranst (Foto unten), selbst Mitglied der „GEES-Arbeitsgruppe“, reagierte erbost auf die Tatsache, dass eine vorläufige Version des Berichtes an die Öffentlichkeit gelangen konnte: „Es ist sehr schade, dass jetzt eine Vorabversion unseres Berichts zirkuliert. Das geschieht durch Leute, die sehr gerne hätten, dass die gesamte Operation daneben geht. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass dieses Leck von keinem Mitglied unserer Gruppe kommt. Dieses Dokument wurde Personen aus der Politik weitergegeben und plötzlich steht der Inhalt in einer frankophonen Zeitung. Das ist unverantwortlich und wir werden hierauf inhaltlich nicht reagieren.“

Van Ranst bedauerte zutiefst, dass jetzt jeder weiß, was in dieser Vorabveröffentlichung steht und dies sorge wieder für Unruhe in der Bevölkerung: „Damit macht man sich über die Arbeit der Experten lustig und auch über die Arbeit eines jeden, der im Gesundheitswesen dabei hilft, diese Krise zu meistern. Trotzdem gibt es Leute, die glauben, dass sie davon auf die eine oder andere Weise etwas haben.“

Offenbar liegt hinter verschlossenen Türen ein Zwist zwischen der Medizin und der Wissenschaft auf der einen und der Politik auf der anderen Seite vor. So mancher Politiker hat inzwischen wohl verstanden, dass die Bevölkerung in letzter Zeit der Wissenschaft in der Covid-19-Frage mehr Vertrauen schenkt, als der Politik… 

Marc Van Ranst
ISOPIX