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Internationale Presse zu den belgischen Corona-Zahlen: "Fast zu ehrlich“

Seit dem Ausbruch der Sanitärkrise ist Belgien immer wieder ins Visier der internationalen Medien und Politik geraten. Der Grund ist die hohe Corona-Sterbesrate je Mio. Einwohner. Typisch für das seit einem Jahr regierungslosen Land? Es könnte auch an der strengen Zählmethode liegen: In Belgien werden nicht nur die an Corona gestorbenen Patienten in den Krankenhäusern gezählt, sondern auch diejenigen, die in den Altenheimen an der Virusinfektion (vermutlich) gestorben sind.

Spätestens seit der Zahlenspielerei von US-Präsident Donald Trump war das weltweite Interesse für Belgien geweckt: Eines der kleinsten Länder der Welt hat die meisten Coronatoten pro 100.000 Einwohner weltweit zu verzeichnen.

Belgische Corona-Statistiken in der deutschen Presse

Insbesondere in Deutschland wollten die Medien (Focus, Die Tageszeitung, ARD-Tagesschau und andere) wissen, wie und was genau in Belgien gezählt wird. Die Tagesschau zitierte sogar den VRT-Wissenschaftsjournalisten Koen Wauters: „In Belgien zählen wir auch die Verdachtsfälle. Und Menschen, die in einem Wohn- und Pflegeheim krank geworden sind, in dem andere Bewohner an Corona gestorben sind.“

Der Spiegel erläutert die transparentere Zählmethode und weist darauf hin, dass „der Virologe Steven Van Gucht vor allem die Situation in den Pflegeheimen im Visier hat. Er ist Vorsitzender des nationalen wissenschaftlichen Corona-Ausschusses und in der Krise alles andere als unumstritten.“  Von den Toten in den Altenheimen sei nur ein Drittel eindeutig als Corona-Tote klassifiziert. Zwei Drittel jedoch nur als mögliche Covid-19-Fälle. „Es ist gut möglich, dass Belgien dadurch seine Todeszahlen überschätze“ so wird Van Gucht im Spiegel zitiert.

Frankreich: „Fast zu ehrlich“

Auch France3 und Le Parisien berichten ausführlich über die belgische Methode, die dazu führe, dass Belgien an der Spitze liegen und dass die Zahlen womöglich auch überschätzt seien.

Das Magazin Le Point findet die Methode „fast zu ehrlich“, weil sie Fragen über das belgische Zahlenmaterial und die Zählmethoden in den Nachbarländern aufwerfe. 

Niederlande: in Belgien nicht schlimmer als anderswo

In den Niederlanden wird ebenfalls kritisch über die belgische Zählmethode berichtet. In Wirklichkeit ist die Situation dort nicht schlimmer als anderswo, beschließt die Tageszeitung NRC Handelsblad: Diese Vorgehensweise gibt ein verzerrtes Bild der Realität ab.