Nur 3 Prozent Belgier sind immun gegen das Coronavirus: „Wir werden lernen müssen, noch lange mit dem Virus zu leben.“

Nur 3 Prozent der Belgier haben Antikörper gegen Covid-19 gebildet. Das geht aus einer Studie der Universität Antwerpen hervor, die mehr als 3 600 Blutproben untersucht hat. Wer immun ist, ist (wenigstens eine Zeit lang) vor einer neuen Ansteckung geschützt und kann den Virus auch nicht weitergeben. Von einer Herdenimmunität könne aber nicht die Rede sein, sagt Epidemiologe Pierre Van Damme.

Die Antwerpener Universität hat 3 600 Blutproben von Belgiern jeden Alters untersucht. Die Blutproben waren nicht wegen eines Verdachts auf eine Coronavirusinfektion genommen worden, sondern aus anderen medizinischen Gründen.

Wie viele Belgier waren vor dem Lockdown bereits infiziert?

Die Ergebnisse lassen Schlüsse darüber zu, wie viele Belgier Mitte März, also vor den strengen Ausgangsbeschränkungen, bereits mit Corona infiziert waren. Die Blutproben wurden nämlich vor drei Wochen entnommen. Ob jemand Antikörper gebildet hat, zeigt sich erst zwei Wochen nach der Infizierung. Die Ergebnisse der Antwerpener Studien halten also den Infektionsstand in der belgischen Bevölkerung vor fünf Wochen fest.

Wissenschaftler hatten höhere Immunität erwartet

In Schätzungen war man von 10 bis 15 Prozent Immunität in der Bevölkerung ausgegangen: „Drei Prozent ist relativ niedrig. Die Krankheit ist also nicht so ansteckend“, schlussfolgert Pierre Van Damme, Epidemiologe an der Universität: „Die Menschen müssen nahe beieinander sein, um sich anstecken zu können. Wenn wir also die Abstands- und Hygienevorschriften gut einhalten, können wir die Ansteckungsgefahr senken.“

Herdenimmunität noch in weiter Ferne

Von den 50, 60 oder 70 Prozent Herdenimmunität, die zur Auslöschung einer Epidemie führt, sind wir weit entfernt. „Wir werden noch lange mit dem Virus leben müssen“, sagt der Epidemiologe.

Im Hinblick auf die allmähliche Lockerung der Ausgangsbeschränkungen spricht sich Van Damme für einen vorsichtigen und schrittweisen Ansatz aus. Ein Aufflackern der Infektionsfälle soll vermieden werden: „Darüber hinaus brauchen wir das sofortige Tracing von Infektionsfällen, damit jeder neue Infektionsherd sogleich erfasst wird.“

Europäischer Durchschnitt

Mit 3 Prozent Coronaimmunität ist Belgien europäischer Durchschnitt: „In Österreich beträgt die Immunität 1 Prozent. Wir haben um die 3 Prozent, haben aber auch erst ein paar Wochen später Maßnahmen beschlossen.“

In Schweden, wo man bis heute keine strengen Ausgangsbeschränkungen handhabt, beträgt die Herdenimmunität nur 10 %. Nicht der erhoffte Anteil: „Das Virus hat sich in Schweden besser verbreitet, was wiederum zu einer höheren Belastung des Gesundheitswesens führen kann. Auch in Schweden wird die Herdenimmunisierung nur sehr langsam voranschreiten. Eine Lehre für die Länder, die diese Herdenimmunität als Strategie gewählt hatten. Es war nicht die richtige“, so Epidemiologe Van Damme.

Jonas Roosens