Michel D’Hooghe: Noch ist es zu früh wieder Fußball zu spielen

Die Fußballwelt ächzt unter der Corona-Krise und möchte so schnell wie möglich wieder spielen. Doch Michel D'Hooghe (Foto), der belgische Vorsitzende der medizinischen Kommission des Weltfußballverbandes FIFA plädiert im Gespräch mit der VRT-Nachrichtenredaktion zu Vorsicht. "Unter diesen ernsten Umständen muss die Gesundheit Vorrang haben", sagt D'Hooghe.

"Ich sehe, dass jetzt alles getan wird, um den Fußball aus wirtschaftlichen Interessen so schnell wie möglich wieder zuzulassen. Ich habe diesbezüglich meine Vorbehalte", sagt Michel D'Hooghe. "Ich habe bereits mit vielen Kollegen auf der ganzen Welt darüber gesprochen, und überall herrscht Skepsis und eine ernsthafte Forderung nach Vorsicht, wenn es um die Wiederaufnahme von Spielen geht".

"In meiner langen Karriere musste ich oft wirtschaftliche Interessen gegen gesundheitliche Interessen abwägen. Sehr oft dominierten die wirtschaftlichen Interessen,  aber unter diesen ernsten Umständen muss die Gesundheit absolute Priorität haben.“

"FIFA-Präsident Infantino hat sehr deutlich gemacht, dass unter diesen Umständen der Gesundheit Vorrang eingeräumt werden muss.“

Geisterspiele?

Viele Ligen denken darüber nach, die Meisterschaft hinter verschlossenen Türen zu beenden. "Dann gibt es noch immer Spielerkontakte auf dem Feld", sagt Michel D'Hooghe.

"Man kann doch von den Spielern nicht verlangen, dass sie immer 1,5 Meter Abstand halten, oder? Sie werden immer zusammen sein. Auf dem Spielfeld, in der Umkleidekabine, unter den Duschen".

"Und selbst wenn Sie keine Fans zulassen, wissen Sie, dass es Orte gibt, an denen die Fans zusammenkommen wollen, um sich irgendwie zu engagieren. Damit müssen wir sehr vorsichtig sein".

Mit einer Gruppenumarmung ein Tor zu feiern, was ja oft geschieht, kommt unter den gegenwärtigen Umständen nicht in Frage

Trotz der aktuellen Richtlinien haben einige Mannschaften wieder mit dem Training begonnen. "Aber so kann man doch nicht trainieren", findet D'Hooghe. "Wir müssen darauf hoffen, dass wir den Meisteraschaften der nächsten Saison normal bewältigen können. Und schließlich wird die Lösung nur eine Impfung sein".

Spuckverbot

D'Hooghe meint auch, dass die Fußballspieler ihr Verhalten auf dem Spielfeld anpassen müssen. "Oft sieht man Fußballspieler auf das Spielfeld spucken. Das ist tief verwurzelt, aber das wird sich in Zukunft wohl ändern müssen. Ein Verbot des Spuckens wäre eine gute Maßnahme, da es ohnehin nicht hygienisch ist".

"Mit einer Gruppenumarmung ein Tor zu feiern, was ja oft geschieht, kommt unter den gegenwärtigen Umständen auch nicht in Frage. Wie sich die Zukunft entwickeln wird, weiß ich nicht. Ich habe keine Glaskugel. Hoffentlich wird es in Zukunft wieder möglich sein, aber im Moment ist es sicher nicht möglich".

MARKUS ULMER/FIFA HANDOUT