Nicolas Maeterlinck

Lufthansa will belgische Tochter Brussels Airlines nicht fallen lassen

Der deutsche Konzern Lufthansa will seine belgische Tochter Brussels Airlines nicht fallen lassen, nicht zuletzt, weil sie ein wichtiger Partner für Flüge nach Afrika bleibe. Das hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Brief an Premier Sophie Wilmès bestätigt. Die VRT konnte diesen Brief einsehen.

Brussels Airlines braucht dringend Hilfe von der belgischen Bundesregierung. Das Unternehmen verfügt immer noch über genügend finanzielle Mittel, um bis etwa Ende Mai zu überleben. In der Zwischenzeit hat sich die Fluggesellschaft an die belgische Regierung gewandt und bittet um finanzielle Unterstützung. Der Betrag, der derzeit in aller Munde ist, beläuft sich auf 290 Millionen Euro.

Mit einem Brief des CEO des Lufthansa-Konzerns (bestehend aus Lufthansa in Deutschland, der Schweizer Swiss, Austrian in Österreich, Brussels Airlines in Belgien und der Billigfluggesellschaft Eurowings) an Premierministerin Wilmès will das Unternehmen einige Dinge klarstellen: "Es ist wichtig, dass wir profitabel bleiben und dass wir unsere Wettbewerbsposition als Konzern erhalten können."

Die Tatsache, dass die Deutschen so offen betonen, dass sie die Gruppe zusammenhalten wollten und deshalb nicht bereit seien, Brussels Airlines fallen zu lassen, ist wichtig. In den letzten Jahren war der deutsche Kurs um Brussels Airlines nicht immer klar. Viele waren über die deutsche Kommunikation verärgert, und Brussels Airlines fühlte sich manchmal wie das fünfte Rad am Wagen. Dennoch hat Lufthansa in den letzten Jahren stark in Brussels Airlines investiert: mehr als 400 Millionen Euro, ein paar hundert neue Arbeitsplätze und eine Verdoppelung der Passagierzahlen auf über 10 Millionen pro Jahr.

Belgische Hilfen für Brussels Airlines

Darüber hinaus bestätigen die Deutschen in dem Dokument, das die VRT einsehen konnte, dass jegliche staatliche Subvention für Brussels Airlines nur für Brussels Airlines verwendet würde. Kritiker von Regierungssubventionen für die belgische Tochterfirma haben in den letzten Wochen erklärt, dass sie befürchteten, dass ein mögliches Hilfspaket in der Gruppe verschwinden würde. Doch in dem Brief heißt es: "Ein Beitrag aus Ihrem Land würde speziell in Ihrem Land verwendet werden".

Die Lufthansa verfügt über Mittel von weit über 4 Milliarden Euro, aber aufgrund der Coronakrise muss die Gesellschaft diese vor allem dafür einsetzen, den deutschen Flügel zu stützen. Die Tochtergesellschaften bitten daher ihre eigenen Behörden vor Ort um Hilfen.

Lufthansa fordert auch eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb Europas, um der außereuropäischen Konkurrenz besser begegnen zu können. Fluggesellschaften aus den arabischen Staaten des Persischen Golfs - wie Emirates, Qatar Airways oder Etihad Airways - profitieren von großen Steuervorteilen in Dubai und Katar.

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Brussels Airlines weiterhin wichtige Fluggesellschaft

Das Dokument liest sich wie eine diplomatische Offensive Deutschlands, bringt jedoch eine Reihe konkreter Verpflichtungen zum Ausdruck, die für die belgische Delegation sehr wichtig sind. Carsten Spohr besteht zum Beispiel darauf, dass Brussels Airlines ein wichtiges Bindeglied im Lufthansa-Netz bleibt, insbesondere mit Blick auf Afrika. Und dass auch die Position Brüssels innerhalb der Gruppe weiter ausgebaut werden kann: "Brussels Airlines und ihre starke Positionierung in Afrika, verbunden mit ihrer starken Bindung an die belgische Wirtschaft und den Heimatmarkt, hat ein besonders großes Potenzial, das wir gemeinsam nutzen können. Vor allem das Drehkreuz in Brüssel ist für den Lufthansa-Konzern wichtig".

Schließlich will sich der Lufthansa-Chef selbst zur Wetstraat 16, also zum Regierungssitz begeben, um gemeinsam mit dem CEO von Brussels Airlines, Dieter Vranckx, die Pläne von Brussels Airlines zu erläutern. Es ist eine ausgestreckte Hand, die die Belgier nur schwer öffentlich ablehnen können. Der Lufthansa-Konzern und seine "Star Alliance" halten mehr als 50% des Marktanteils am Flughafen Brussels Airport und Brussels Airlines beschäftigt 4.200 Mitarbeiter. Ohne die Präsenz der Gruppe würden bestimmte Fluggesellschaften wie ANA aus Japan, United of America, Air Canada aus Kanada, Thai Airways aus Thailand und Ethiopian aus Äthiopien Brüssel höchstwahrscheinlich ignorieren. Die Aktivitäten von Brussels Airlines und Brussels Airport schaffen einige zehntausend zusätzliche Arbeitsplätze.