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Die hiesigen Kliniken führen derzeit weniger Transplantationen durch

Die Zahl von Organtransplantationen ist seit dem Ausbruch der Coronakrise auch in Belgien drastisch rückläufig. Derzeitig werden lediglich lebensrettende Transplantationen durchgeführt, heißt es dazu. Gleichzeitig geht auch die Zahl der Spenderorgane zurück, was auch eine Folge der Covid-19-Epidemie ist.

In der Universitätsklinik von Brüssel (UZ Brussel) ist die Zahl der Organtransplantationen alleine im vergangenen Monat März um 60 % zurückgegangen und in der Uniklinik von Löwen (UZ Leuven), wo die meisten Transplantationen in ganz Belgien durchgeführt werden (etwa 30 %), wurden rund ein Drittel weniger entsprechende Operationen vorgenommen.

Transplantationen bei Patienten, deren Leben derzeit nicht akut bedroht ist, finden in diesen Tagen nicht statt, so Prof. Arne Neirynck, der Leiter der Arbeitsgruppe Organspende der Löwener Uniklinik: „Wir wollen potentielle Rezeptoren in dieser Zeit keinem  Risiko aussetzen. Darum räumen wir Menschen, die eine Transplantation sehr dringend benötigen, Vorrang ein. Wir müssen in der Sicherheitsfrage abwägen: Ist es zu verantworten, jemanden in der Umgebung einer Pandemie entsprechenden Risiken auszusetzen oder ist es besser, noch etwas zu warten?“

Keine Spenderorgane von Covid-19-Patienten

Die Transplantationen haben derzeit auch zwei weitere Probleme. Zum einen setzen viele Krankenhäuser und Kliniken in Belgien viel Personal zur Betreuung und Behandlung von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen ein.

Zum anderen stehen weltweit gerade auch deutlich weniger Spenderorgane zur Verfügung, so Prof. Neirynck: „Spender, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, kommen weltweit nicht in Anmerkung. Wir wissen noch zu wenig über dieses Virus und was es mit den Patienten oder mit dem operierenden Personal anrichten kann. Zudem beobachten wir, dass gerade weniger Menschen an Schlaganfällen oder bei Unfällen sterben.“

Nach Berechnungen und Beobachtungen der Mediziner sind die Wartelisten von Patienten, die ein Spenderorgan brauchen, etwas länger geworden, weil eben Operationen derzeit eher nicht durchgeführt werden. Bei der Löwener Uniklinik hat man aber noch nicht festgestellt, das Rezeptoren gestorben sind, weil sie nicht rechtzeitig operiert wurden oder weil die sie behandelnden Ärzte kein passendes Spenderorgan finden konnten.