"Die neue Gesellschaft wird eine Gesellschaft mit einer Mundschutzmaske"

Wenn die Coronamaßnahmen der belgischen Bundesregierung ab der kommenden Woche etwas gelockert werden, dann müssen wir dort, wo viele Menschen zusammenkommen, eine Mundmaske tragen. Dazu rät auch der Epidemiologe Pierre Van Damme (Foto). Solche Masken schützen einen selbst nicht unbedingt vor einer Ansteckung mit Covid-19, doch sie verhindern, dass die Träger andere Menschen infizieren, so Van Damme.

Der Empidemiologe Pierre Van Damme sagte am Dienstagabend in der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“), es sei besser, eine solche Maske zu tragen, auch wenn sie nicht zu 100 % schützen würde: „Wenn jeder diese Masken trägt, wo viele Menschen sind, dann ist das die ideale Haltung. Aus der Fachliteratur ist ersichtlich, dass Masken aus Baumwolle nicht ideal sind, doch sie können 60 bis 70 % der Übertragung aufhalten.“

In den vergangenen Wochen wurde auch in Belgien über Sinn und Unsinn von Mundschutzmasken gegen die Übertragung des Coronavirus Covid-19 kontrovers diskutiert. Nach Ansicht von Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) sorge das Tragen von solchen Masken für ein falsches Gefühl der Sicherheit, wodurch die Träger eventuell nachlässig mit den Abstandsregeln umgehen würden.

Die Virologin Erika Vlieghe von der Antwerpener Uniklinik UZA, die Leiterin der sogernannten "GEES-Gruppe", eine Expertengruppe, die die Exit-Strategie für Belgien ausarbeitet und die dazu die belgische Bundesregierung berät (siehe weiter unten), sieht dies ähnlich und ist der ebenfalls der Ansicht, dass diese Masken dazu verleiten würden, zu glauben, dass schon wieder alles wieder möglich sei.

Doch Pierre Van Damme sieht in diesen Auffassungen keinen Widerspruch und rät weiter dazu, Mundschutzmasken zu tragen: „Abstandhalten muss der erste Schritt bleiben. Man kann sich infizieren, wenn man sich zu nahe kommt. Diese Masken dürfen kein Grund dafür sein, sich wieder näher zu kommen. Es sind einfach Situationen, bei denen mehr Menschen zusammenkommen, wo wir diese Masken nutzen sollen. Das ist ein wichtiges Mittel, um in unserem Schutz weitergehen zu können. Die neue Gesellschaft wird eine Gesellschaft mit einer Mundschutzmaske.“

Die GEES-Gruppe

Die „GEES-Arbeitsgruppe“ ist eine Expertengruppe zur Exit-Strategie. Sie besteht aus Medizinern und Juristen sowie aus Vertretern der Wirtschaft und der sozialen Ebene. Ihre Mitglieder sind die Juristin Inge Bernaerts; der Wirtschaftsprofessor Mathias Dewatripont (Université Libre de Bruxelles); Marius Gilbert, Leiter des Nationalen Fonds für Wissenscharft und Forschung NFWO (ebenfalls ULB); Niel Hens, Biostatistiker der Universitäten von Antwerpen und Hasselt; Céline Nieuwenhuys, Generalsekretärin des Bundes der Sozialdienste (FdSS-FdSSB); Johnny Thijs, Verwaltungsrat und CEO von Unternehmen, wie Electrabel, Recticel und Golazo; der Virologe Marc Van Ranst (KU Leuven) und Pierre Wunsch, der Gouverneur der Belgischen Nationalbank (NBB).