Exit-Strategie in Brüssel: Wie der Pendlerverkehr neu geordnet werden soll

Die seit dem Wochenende laufenden Arbeiten am Leopold-II-Tunnel in Brüssel zeigen auch während der eher verkehrsarmen Coronazeit, wie anfällig der Verkehr in der belgischen Hauptstadt ist. Und wenn diese Krise einmal vorbei geht, wird die Sache nicht einfacher. Die Region Brüssel-Hauptstadt will z.B. deutlich mehr Radwege anlegen, um sich im Rahmen der Exit-Strategie dem sich wohl verändernden Pendler-Verkehr anpassen zu können. 

In Brüssel ist seit Sonntagabend der Leopold-II-Tunnel in beiden Richtungen für die anstehenden Bauarbeiten geschlossen. Die Arbeiten, die schon länger vorbereitet und angekündigt sind, dauern insgesamt vier Monate. Und schon zeigen dort die ersten Staus, wie anfällig der Verkehr in der Hauptstadt ist.

Verkehrsexperten gehen davon aus, dass sich das Pendlerverhalten kurz- bis mittelfristig während und nach der Coronalkrise anpassen wird. Geht die sogenannte „Exit-Strategie“ einmal los, dann werden wohl deutlich mehr Berufstätige wieder in der Stadt unterwegs sein bzw. in die Stadt pendeln.

Doch nicht wenige werden sich scheuen, in einer ersten Phase den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, denn dort kommen mitunter viele Menschen im engsten Raum zusammen und da wird wohl so manchem angesichts einer latenten Ansteckungsgefahr mulmig. Nicht zuletzt haben Covid-19-Experten und das Krisenzentrum der belgischen Bundesregierung dazu geraten, in den ersten Phasen auf individuelle Fortbewegungsmittel zu setzen, sprich auf den eigenen Wagen oder auf andere alternative Mittel und Busse und Bahnen nur zu nutzen, wenn es anders nicht geht.

Liebe Brüsseler, nehmt das Fahrrad, damit die Hauptstadt nicht voller Autos läuft, wenn die Schulen, die Geschäfte und die Unternehmen wieder öffnen!“

Brüssels regionale Verkehrsministerin Elke Van den Brandt

Das wiederum verschärft in Brüssel die ohnehin angespannte Verkehrsdichte. Hier setzt die grüne Brüsseler Regionalministerin für Verkehr und Mobilität, Elke Van den Brandt (Groen - Foto unten) an. Sie will in dieser Hinsicht und über die Coronakrise heraus, das Fahrrad weiter fördern. Sie plant 40 km neue Radwege bzw. mehr Raum für das Fahrrad auf den zentralen Verkehrsachsen.

Der neue Brüsseler Radwegeplan legt seinen Fokus auf die Einfahrtswege und Zubringer in die Hauptstadt bzw. die wichtigsten Achsen im Zentrum: Wetstraat, Louizalaan, Keizer Karellaan, Congolaan, Generaal Jacques-Laan, Reyerslaan… Hier müssen wohl bald Fahr- und Parkstreifen Radwegen Platz machen, zumindest für eine gewisse Zeit. „Die Fahrradkorridore müssen an bestehende Radwege anschließen und dafür sorgen, dass Pendler aus Flandern und aus der Wallonie rasch und sicher ins Zentrum kommen können“, so die Ministerin.

Mobilitätsministerin Van den Brandt bittet die Brüsseler in einem offenen Brief darum, sich in der Frage des innerstädtischen Verkehrs solidarisch zu zeigen: „Liebe Brüsseler, nehmt das Fahrrad, damit die Hauptstadt nicht voller Autos läuft, wenn die Schulen, die Geschäfte und die Unternehmen wieder öffnen!“

Elke Van den Brandt