Nicolas Lambert

Nationalbank: Belgische Wirtschaft um 3,9 % im ersten Quartal 2020 geschrumpft

Nach einer ersten Analyse der belgischen Nationalbank (BNB) zur wirtschaftlichen Lage in dieser Coronazeit schrumpfte die hiesige Volkswirtschaft im ersten Quartal 2020 um 3,9 %. Das ist allerdings ein geringerer Einschnitt als die 5 %, die die in Belgien aktiven Großbanken vorausgesagt haben. Aber, der Rückgang ist höher als zu Zeiten der Banken- und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009.

Vor dem Ausbruch der Coronapandemie ging die BNB noch von einem leichten Konjunkturanstieg von 0,2 % für die ersten drei Monate des laufenden Jahres aus, doch seinerzeit war von einschneidenden Maßnahmen zum Abfedern der Epidemie noch keine Rede. Im Laufe der Zeit gingen die meisten belgischen Großbanken, z.B. ING, Belfius und PNP Paribas Fortis, von einem Minus um 5 % aus. Lediglich die Allfinanz-Gruppe KBC hantierte einen geringeren Wert und ging von -2,4 % aus.

Langfristig gesehen wirkt sich die Coronakrise ökonomisch in Belgien wohl deutlicher aus, als die allgemeine Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. Damals wurde die niedrigste Zahl im 4. Quartal 2008 registriert. Seinerzeit wurde ein Wert von -2,2 % im Vergleich zu den drei vorangegangenen Monaten errechnet.

Für das laufende zweite Quartal 2020 gehen die Erwartungen von deutlich schwierigeren Zahlen aus, denn dieses liegt mitten in der Zeit der schärfsten staatlichen Coronamaßnahmen und Einschränkungen. Interessant ist auch zu sehen, welche Sektoren deutlicher betroffen sind als andere.

So ist die Bauwirtschaft mit einem Minus um 6,6 % deutlich schwerer angeschlagen, als die Industrie, die bisher ein Minus um 3,5 % verkraften muss. Etwas besser als der Bau kommt auch der Dienstleistungssektor mit -3,6 % davon. Zu beachten ist hier auch, dass am Bau mit sehr einfachen Mitteln die geltenden Abstandsregelungen eingehalten werden können… Am schwersten betroffen sind hierzulande der Bereich Kultur, Unterhaltung und Veranstaltungen sowie der Tourismus mit Milliardenverlusten.

Die Nationalbank legt Wert auf die Feststellung, dass diese Zahlen nicht zu 100 % gesichert sind, denn die aktuelle Sachlage ermöglicht teilweise nur Berechnungen über „Annahmen“. Doch diese Einschätzungen basieren auf den statistischen Richtlinien der EU-Kommission.