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Die Preise für Frittenkartoffeln und für frischen Fisch sind im Keller

Die Coronakrise setzt der Landwirtschaft und der Fischerei in Belgien schwer zu. Die Preise für Kartoffeln, die zur Produktion von Fritten genutzt werden, sind auf einem historischen Tiefpunkt und die Fischer an der hiesigen Nordseeküste bekommen für ihren frischen Fisch auch nicht mehr viel…

Fritten sind laut allen Klischees das Hauptnahrungsmittel der Belgier. Doch jetzt, in diesen Coronazeiten, wackelt diese Theorie, denn die Preise für Frittierkartoffeln sind aufgrund von fast vollständig weggebrochenen Absatzzahlen im Keller. Am Großmarkt kosten 100 kg frittierbare Kartoffeln gerade mal 1 €, in Worten „ein Euro“. „Normale“ Kartoffeln kosten derzeit im Supermarkt in Belgien pro Kilo zwischen 1 und 1,5 €, bringen den Landwirten also auch nicht mehr viel ein.

Hauptgrund dafür ist die Tatsache, dass die gesamte Gastronomie, quasi der Hauptabnehmer für Frittenkartoffeln, weggebrochen ist. Mit den Restaurants, Snackbars und Frittenbuden, die derzeit nur Mahlzeiten zur Abholung bieten, lässt sich zwar ein Teil der Verluste wettmachen, doch die Landwirte können ihre Ernte kaum noch an den Mann oder die Frau bringen.

Chips sind ein rettender Strohhalm

Bei den flämischen Landwirtschaftsverbänden heißt es dazu: „Die Frittenkartoffeln stellen zumeist ein Drittel der Ernte der Bauern. Vor der Coronakrise gingen sie für rund 20 € pro 100 kg weg. Doch die Nachfrage ist durch diese Krise vollständig weggebrochen.“ Erschwerend kommt noch hinzu, dass in diesem Sommer keine Festivals und Großveranstaltungen stattfinden. Die betroffenen Landwirte können die letzte Ernte höchstens noch bis Juli in ihre Lagern lassen. Dann wird es zu warm, um sie noch länger aufzubewahren…

Jetzt setzen viele auf Lieferungen von Frittenkartoffeln zur Herstellung von Chips, denn Chips werden gerade wohl in Massen gegessen, weil die Leute „nicht vor die Tür kommen“. Ein Agrarverband rief dazu auf, jetzt „doppelt so oft Fritten zu essen, wie bisher!“

Den Fischern geht es nicht besser

„Wenn die Fischpreise noch um weitere 5 % sinken, dann werden unsere Fischer nicht mehr auslaufen“, sagt Tom Premereur, der Direktor der Fischversteigerungen von Ostende und Zeebrügge. Auch hier sind die Preise seit Beginn der Coronakrise in freiem Fall. Bei Seezunge, ein Fisch, der sehr gerne im Restaurant bestellt wird, liegen die Preise derzeit 70 % niedriger als zu normalen Zeiten. Solch niedrige Preise sorgen dafür, dass sich für die hiesigen Fischer der Fischfang nicht mehr wirklich lohnt, so Premereur.

Inzwischen sei der Break-Even erreicht und wenn die Preise weiter fallen würden, dann müssen sich die Fischer überlegen, ob sie ihre Flotte stilllegen, um keine Verluste mehr einzufahren. Auch hier gilt der Aufruf: „Leuten, esst mehr Fisch und unterstützt die lokale Wirtschaft und unsere flämischen Fischer!“