1. Mai im Lockdown: Flanderns Sozialisten fordern Lohn für die, "die das Land am Laufen halten"

Conner Rousseau (Foto), der Vorsitzende der flämischen Sozialisten SP.A, sagte am Vorabend des 1. Mai, dem Tag der Arbeit, dass alle die, „die das Land am Laufen halten“, in diesen Coronazeiten für ihre aufopfernde Arbeit belohnt werden müssten. Der junge Sozialdemokrat fordert von der Politik in diesen Zusammenhang mehr Solidarität in unserer Gesellschaft. Umzüge und Großveranstaltungen der linken Bewegungen in Belgien fielen dieses Jahr wegen der Coronakrise aus. Die SP.A organisierte am Donnerstag dazu eine Videoshow, in deren Rahmen Rousseau seine traditionelle Ansprache hielt. 

Keine Paraden, keine Umzüge, keine Massenveranstaltungen auf den Plätzen in Städten und Gemeinden an diesem Tag der Arbeit. Die Coronakrise sorgte dafür, dass die linken Bewegungen auch in Belgien ins Internet ausweichen mussten, um ihre Veranstaltungen zum 1. Mai zu organisieren. Die flämischen Sozialdemokraten SP.A wichen dazu ins Genter Kulturzentrum Vooruit aus und organisierten in diesem früheren Gewerkschaftshaus mit dem Namen „Voraus“ eine Videoshow unter dem Titel „VooruitTV“, übersetzt „VorausTV“.

Moderator war der Parteivorsitzende Conner Rousseau und in seinen Redebeiträgen ging er immer wieder auf jene Menschen ein, die derzeit an vorderster Front dafür sorgen, dass das Land funktioniert: Die Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitssektor zum Beispiel und auch die Belegschaften von Supermärkten und anderen Geschäften, die gerade die Grundversorgung der Menschen garantieren. Auch das Personal der öffentlichen Verkehrsmittel gehört dazu und alle die, die im Sicherheitsbereich tätig sind, wie unter anderem die Polizisten.

Rousseau erinnerte die Gesellschaft daran, dass „die Menschen, die heute an der Front sichtbar sind und die während der Coronakrise eine wichtige Rolle spielen, danach nicht mehr unsichtbar werden dürfen. Es ist Zeit dafür, dass alle die, die jeden Tag ihr Bestes geben, auch ihren ehrlichen Anteil dafür erhalten sollen. Und das ist mit einer starken und effizienten Politik, die diese Solidarität organisiert, auch möglich.“

Weiter gab Rousseau zu verstehen, dass es für alle einen Fortschritt geben sollte: „Heute haben wir die historische Chance, das Land gemeinsam aufzubauen. Jeden Tag kämpfe ich gegen alte Formen und Gedanken in der Politik. Lasst diesen 1. Mai denn auch den Start für gemeinsame deutliche Absprachen zu treffen, um zusammen ein Fundament für eine neue Gesellschaft zu legen.“ 

Der SP.A-Vorsitzende schlägt zudem einen „neuen sozialen Deal“ für die Zeit nach Corona vor, der vielleicht dem „Marshall-Plan“ nach dem Zweiten Weltkrieg ähneln könnte. Das könnte auch eine höhere Besteuerung von Vermögen sein, wie sich daraus lesen lässt. Rousseau plädierte in seiner offiziellen Ansprache zum 1. Mai auch einmal mehr für mehr Investitionen in den Nahverkehr, in bezahlbaren Wohnraum, in den Abbau von Verkehrsstaus, in bezahlbare Medikamente und medizinische Versorgung sowie einen besseren sozialen und arbeitsrechtlichen Schutz für die sogenannten „Flexi-Jober“, also für Arbeitnehmer mit flexiblen Arbeitsverträgen.