Arenda Oomen Fotografie

Die Coronakrise führt zu neuer Armut - Die Sozialhilfezentren schlagen Alarm

Nach einer Meldung des Öffentlichen Sozialhilfezentrums der flämischen Stadt Gent sind die Anträge auf Sozialhilfe im vergangenen Monat April im Vergleich zum Vorjahr um rund 80 % gestiegen. Inzwischen betrifft dieses Phänomen bei weitem nicht nur „klassische“ Sozialhilfeempfänger, sondern auch Haushalte mit Jobs.

Das Sozialhilfezentrum von Gent schlägt Alarm. Dort wurden im April 80 % mehr Anträge auf finanzielle Beihilfe gestellt, als im gleichen Monat letztes Jahr. Das bedeutet wohl, dass die Coronakrise für eine neue Form von Armut sorgt. Beunruhigend ist dabei, dass sich in den letzten Wochen vor allem Personen und Haushalte bei den Sozialhilfezentren melden, denen es bisher nicht schlecht ging.

Das betrifft z.B. Leute, die einen Job haben und die diesen plötzlich verloren haben. Auch Arbeitnehmer, die durch Covid-19 in Kurzarbeit gehen mussten, klopfen bei den Sozialhilfezentren an. Die meisten Antragsteller können schlicht und einfach ihre laufenden Rechnungen oder die Miete nicht mehr bezahlen.

Unter den Betroffenen sind offenbar auch nicht wenige Selbständige, Gastronomen, Mittelständler, Handwerker und Künstler, deren Geschäfte oder Unternehmen dicht machen mussten oder nicht mehr arbeiten konnten.

Vor allem Soloselbständige und darunter viele Künstler haben ihr komplettes Einkommen verloren und stellen Anträge auf Sozialhilfe. Dieses Phänomen einer plötzlichen Armut zeigt sich auch bei den Tafeln und bei der Lebensmittelhilfe an. Dort melden sich in diesen Tagen und Wochen deutlich mehr Hilfesuchende, als sonst.

Der flämische Armutsexperte Prof. Wim Van Lancker musste am Samstag angesichts dieser Entwicklung gegenüber VRT NWS feststellen, dass es zum einen mehr Arme in Flandern (und darüber hinaus) gibt und dass die Armen noch ärmer werden.

Van Lancker sagte dazu, dass die Regierung(en) im Zuge der Coronalockerungen und der Exitstrategie auch auf den Rat der entsprechenden Fachleute hören sollten, denn dieses Problem löst sich nicht einfach dadurch, dass die Wirtschaft kurz-, mittel- und langfristig wieder anläuft.