Maschinen von Brussels Airlines und Lufthansa am Brussels Airport
BELGA/DOPPAGNE

Premierministerin Wilmès schreibt der Lufthansa einen Brief: "Wir glauben an ein Wachstum für Brussels Airlines"

In einem Brief an die Lufthansa, die deutsche Konzernmutter der belgischen Fluggesellschaft Brussels Airlines, lässt Premierministerin Sophie Wilmès (MR) wissen, dass die Regierung an die Wachstumsmöglichkeiten für die Fluggesellschaft glaubt. VRT NWS hatte Einblick in dieses Schreiben. Sowohl die Lufthansa, als auch Brussels Airlines bitten um finanzielle Unterstützung auch in Form von staatlicher Hilfe.

Nachdem Lufthansa-CEO Karsten Spohr einen Brief an die belgische Bundesregierung gerichtet hatte (siehe nebenstehenden Beitrag), folgt jetzt die Antwort der Premierministerin. Die Lufthansa bittet die hiesige Regierung um Beihilfen für Brussels Airlines in Höhe von mehr oder weniger 290 Mio. €. 

Premierministerin Wilmès schreibt in ihrer Antwort an Spohr u.a.: „Die belgische Regierung glaubt an die Wachstumsmöglichkeiten von Brussels Airlines. (…) Brussels Airlines verfügt über eine beispiellose Expertise in Afrika, die auch in Zukunft Wachstumschancen bietet. Die Regierung setzt sich voll und ganz für den Erfolg des belgischen Luftfahrtsektors ein.“

Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass sich die hiesige Regierung erfreut darüber zeigt, dass die deutsche Fluggesellschaft  die Bedeutung der 100%igen Konzerntochter Brussels Airlines offen erkennt. Eine Zeit lang hegte man in unserem Land wegen der häufigen Kursänderungen beim Lufthansa-Management Zweifel daran, doch diese scheinen gerade jetzt in dieser Coronakrise, die ja auch die Luftfahrt bis ins Markt trifft, vorerst beigelegt zu sein. 

Große Sorgen durch die Coronakrise

In ihrem Schreiben äußert Sophie Wilmès aber auch ihre Sorgen über die Zukunft von Brussels Airlines in dieser Coronakrise und sie zeigt Verständnis dafür, dass der Luftfahrtsektor unter bestimmten Bedingungen auf der Suche nach Finanzmitteln ist: „Wir sind über die Schwierigkeiten bei Brussels Airlines und ihrer Konzernmutter Lufthansa sehr besorgt und sind uns dieser tiefen Krise vor allem für den Flugsektor völlig bewusst. Finanzielle Hilfen, die an Kosteneinsparungen und an Umstrukturierungen gebunden sind, werden kurzfristig vielleicht nötig sein.“ 

Die belgische Bundesregierung auf der einen und Brussels Airlines sowie die Lufthansa auf der anderen Seite verhandeln bereits seit geraumer Zeit über mögliche Finanzhilfen für die belgische Fluggesellschaft, doch die Gespräche verliefen bisher eher träge, so VRT NWS-Luftfahrtspezialist Riad Bahri. Aber in den vergangenen Tagen scheinen die Verhandlungspartner wohl langsam zu einem gemeinsamen Nenner zu finden.

Doch einen Blankoscheck für Brussels Airlines wird die Lufthansa nicht bekommen, wie die Premierministerin in ihren Schreiben an CEO Karsten Spohr bemerkt: „Wir fordern eine deutliche Perspektive für Brussels Airlines am Standort Brüssel. Dies macht zusätzliche Investitionen erforderlich. Weiter werden wir uns auch über Garantien für Arbeitsplatzsicherheit und Klimaziele beugen müssen.“ 

Die LH-Gruppe sucht überall nach staatlicher Unterstützung

Die Lufthansa-Gruppe, zu der Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines gehört, geht davon aus, dass sie aufgrund der Coronakrise bis zu 10.000 Stellen abbauen muss. Swiss könnte von der Regierung in der Schweiz bis zu 1 Mia. € Unterstützung bekommen und auch in Österreich über eine staatliche Unterstützung verhandelt.

In Deutschland laufen Gespräche über eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 9 Mia. €, aber, die Regierung im Berlin fordert im Gegenzug dazu ein Mitspracherecht bei der Lufthansa. In Brüssel ist in diesem Zusammenhang die Rede von einer Beihilfe über 290 Mio. €, von staatlichen Anteilen und von einem Sitz eines Regierungsvertreters im Verwaltungsrat von Brussels Airlines.

Bisher ist Lufthansa-CEO eher dafür bekannt, dass er eine staatliche Einmischung in die Geschäfte ablehnt. Doch die Coronakrise mit ihrem existenzbedrohenden Umfang lässt ihn wohl in diesen Tagen umdenken.